Alles steht und fällt mit der Bildung

Die Forderungen nach einer Stärkung des Kapitalmarkts haben ihre Berechtigung. Wichtigstes Rädchen, an dem es zu drehen gilt, ist das Finanzwissen der Österreicherinnen und Österreicher.

Wer nichts weiß, muss alles glauben. Was einst schon Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach formulierte und die Wissenschaftskabarett-Gruppe „Science Busters“ als Motto gegen das Unwissen auserkoren hat, gilt auch für die Wirtschaftswelt – und ganz besonders für den Kapitalmarkt. Auch wenn es bereits gesagt wurde: Bildung ist der wichtigste Schlüssel, um dem Kapitalmarkt und seinen potenziellen Anlegern auf die Beine zu helfen.

Angst ist gerade in Pandemie-Zeiten ein schlechter, wenn auch nachvollziehbarer, Ratgeber. Dass ein Großteil der Österreicherinnen und Österreicher das Geld nach wie vor lieber hortet als anlegt, zeigt ein Blick auf die Daten der Nationalbank. Per Februar 2021 haben private Haushalte knapp 193 Mrd. Euro an täglich fälligen Einlagen liegen – 2015 waren es knapp 108 Mrd. Euro. Sparkonten sind weiter das Spar-Mittel der Wahl. Auch wenn das Interesse für den Kapitalmarkt gestiegen und die Thematik durch Gamestop und Co. ins breite öffentliche Interesse gerückt ist.

Warum Bildung so wichtig ist? Der Satz „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ ist zwar in den allermeisten Fällen falsch, was aber richtig ist: Im Erwachsenenalter ist es deutlich schwieriger, die Scheu vor dem Kapitalmarkt zu verlieren. Denn wer schon bei der Definition der Begriffe ETFs und Anleihen ein ungutes Gefühl in der Magengrube bekommt, wird sich nicht näher mit dem Thema befassen wollen. Je früher der Kapitalmarkt also auf der persönlichen Agenda ist, desto besser – Stichwort Schule.

In der Bedeutung der Kapitalmärkte hinkt Österreich bekanntlich international deutlich hinterher, beim Wagniskapital besonders.“

Dabei müssen auch wirklich alle Schülerinnen und Schüler erreicht werden, und zwar von unabhängigen Expertinnen und Experten. Denn neben den altbekannten Risiken am Kapitalmarkt zeigen auch die neuen Trends, wie wichtig Wissen ist – Stichwort Robinhood. Es braucht Eigeninitiative und Fachwissen, um solche Geschäftsmodelle zu verstehen und eigene Risiken abschätzen zu können.

Übrige Handlungsfelder wurden bereits vielerorts gefordert, etwa steuerliche Anreize wie die ohnehin schon ins Auge gefasste Wiedereinführung einer Behaltefrist, ab der Gewinne auf Wertpapiere steuerfrei sind. Dennoch stößt man auch hier auf das Grundproblem Bildung. Wer sich nicht auskennt, dem hilft der schönste steuerliche Anreiz nicht. Das fällt schlussendlich allen auf den Kopf. Unternehmen, verhinderten Anlegerinnen und Anleger und dem Staat. In der Bedeutung der Kapitalmärkte hinkt Österreich bekanntlich international deutlich hinterher, beim Wagniskapital besonders.

Natürlich gibt es auch bei den Unternehmen Hebel, an denen man ansetzen könnte. Auch sie sind bekannt – etwa die schon vor der Krise viel geforderte Eigenkapitalstärkung, die Unternehmen resilienter macht. Eine Maßnahme zur Stärkung des Kapitalmarkts kann eine steuerliche Gleichbehandlung von Eigen und Fremdkapital sein. Solche Maßnahmen müssen Hand in Hand mit dem Schmackhaftmachen des Kapitalmarkts für Private gehen.

Kommen die Gelder weg von den Sparkonten hinein in den Kapitalmarkt, gibt es mehr Rendite für die privaten Anlegerinnen und Anleger und frisches Geld für die Unternehmen. Nicht zuletzt profitieren auch die heimischen Banken, weil sie für geringere Spareinlagen, die stattdessen am Kapitalmarkt ihre Dienste tun, weniger Zinsen an die EZB zahlen müssen.

Ideen zur Belebung des Kapitalmarkts gibt es genug, sie müssen auf politischer Ebene diskutiert und umgesetzt werden – rasch. Denn essenziell ist ein unverzügliches Handeln, auch und gerade beim Thema Bildung.