Lücke zwischen Qualifikationsbedarf und Verfügbarkeit klafft auseinander

Der Fachkräftemangel ist gegen Corona immun. Wie die Unternehmen die Situation einschätzen und welche Qualifikationen in den nächsten Monaten besonders gefragt sind, belegt eine IV-Mitgliederumfrage.

Die Corona-Krise hat den Fachkräftemangel nur vorübergehend gedämpft. Trotz hoher Arbeitslosigkeit bleibt die Suche nach qualifiziertem Personal für die überwiegende Mehrheit der Industriebetriebe eine zentrale Herausforderung. Das geht aus einer IV-Blitzumfrage unter 310 heimischen Industrieunternehmen hervor, die direkt rund 200.000 Arbeitsplätze in Österreich sichern. Wie hat sich die Verfügbarkeit von Fachkräften im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit vor einem Jahr verändert? Rund 38 Prozent der Firmen geben an, dass sich die Situation sogar weiter verschärft hat.

Industrie sucht Lehrlinge

An Bedeutung gewinnen wird daher das Thema Aus- und Weiterbildung. Genau hier orten viele Betriebe den Kern des Problems: Die Lücke zwischen Qualifikationsbedarf und Verfügbarkeit auf dem Arbeitsmarkt klafft auseinander. Welche Qualifikationen sind in der Industrie besonders nachgefragt? 83 Prozent der befragten Unternehmen erwarten im Bereich Technik und Produktion den größten Fachkräftebedarf. Für rund 40 Prozent wird bei der Informationstechnologie qualifiziertes Personal besonders stark nachgefragt sein, jedes dritte Unternehmen sucht für Forschung & Entwicklung. Die besten Jobperspektiven haben Personen mit HTL- oder HAK-Abschluss – hier erwartet mehr als jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) hohen Bedarf, gefolgt von Absolventen einer Lehre (53 Prozent) und Hochschulgraduierten (45 Prozent).

Mit mehr als 16.000 Lehrlingen ist die Industrie zweitgrößter Lehrlingsausbildner im Land. Auf Bundes- und Länderebene hat die IV in den vergangenen Wochen klar kommuniziert, dass die Bereitschaft der Unternehmen nach wie vor groß ist, Lehrlinge aufzunehmen. Viele Unternehmen – gerade in industriestarken Regionen – können ihre Lehrplätze nicht besetzen. Jedes dritte Unternehmen gibt an, dass die Zahl der Bewerbungen merkbar abgenommen hat. Ein Problem ist die Corona-Aufstiegsklausel: Der Anteil der BHS-Schüler, die nach Ende der Pflichtschulzeit eine Lehrstelle antreten, ist um 15 Prozent gesunken, weil viele mit einem oder mehreren Fünfern aufsteigen konnten.

11.500 neue Mitarbeiter

Was ist notwendig, um Weiterqualifizierung von Mitarbeitern voranzutreiben? Zwei Drittel der Unternehmen sehen als wichtigste Maßnahme, dass die Beschäftigten mehr Bereitschaft und Motivation für Weiter- und Umqualifizierungsmaßnahmen an den Tag legen müssen. An zweiter Stelle stehen zusätzliche physische Aus- und Weiterbildungsangebote (40 Prozent). Jeder dritte Betrieb schlägt weitere öffentliche finanzielle Mittel vor.

Aus gutem Grund setzt sich die IV für eine Angebotsoffensive der bestehenden Bildungseinrichtungen für umfassende Weiterbildung, Neu-Qualifizierung und lebenslanges Lernen ein. Der Handlungsbedarf ist groß. Denn – und das ist die gute Nachricht – alleine die 310 Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, planen in den nächsten Monaten, mehr als 11.500 neue Mitarbeiter einzustellen, wenn die österreichische Wirtschaft wieder auf den gewohnten Wachstumspfad zurückkehrt. 

Foto: IV