Elementarbildung und Kinderbetreuung zahlen sich aus

Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch mit Blick auf den Fachkräftemangel ein wichtiges Standortthema. Die Industrie setzt sich aus guten Gründen für moderne und ausreichende Kinderbetreuung in ganz Österreich ein.

Kinderbildung und -betreuung machen den Unterschied: Das hat sich nicht nur in der Corona-Pandemie gezeigt, als viele berufstätige Eltern mit Betreuung und Home-Schooling schlichtweg überfordert waren. „Ein ausreichendes, qualitativ hochwertiges Angebot an Kinderbetreuung ist Grundvoraussetzung für die gelungene Vereinbarkeit von Familie und Beruf – und damit in hohem Maß standortrelevant. Unsere Betriebe sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder sicher und zeitgemäß betreut werden“, sagt IV-Präsident Georg Knill.

Kinderbetreuung hängt vom Wohnort ab

Dabei besteht allerdings in Österreich noch erheblicher Handlungs- und Investitionsbedarf. Im vergangenen Jahrzehnt ist bei der Kinderbetreuung zwar viel passiert: Österreich hat etwa bei den Über-Dreijährigen das sogenannte „Barcelona-Ziel“ der EU, eines Betreuungsangebots für mindestens 90 Prozent, erreicht. „Dennoch bestehen starke regionale Unterschiede. In Österreich hängen Vorhandensein und Qualität elementarpädagogischer Angebote vom Wohnort ab“, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.

Rückflüsse übersteigen Kosten

Eine Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF) im Auftrag der Industriellenvereinigung und Jungen Industrie bestätigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, dass ausreichend Geld in die Kinderbildung und -betreuung fließt. Konkret zeigt sie: Der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen ab 2008 hat zwar erhebliche Investitionen benötigt. Ihnen stehen aber zeitversetzt auch zahlreiche Rückflüsse gegenüber, wie die höhere Beschäftigung bei Müttern, der stärkere Personaleinsatz und entsprechende Abgaben. Bereits im Jahr 2015 überstiegen die Rückflüsse die Kosten, bilanzieren die Familienforscher. Der Ausbau der Betreuungseinrichtungen zwischen 2005 und 2016 hat in Summe knapp über 80.000 Arbeitsplätze geschaffen. Pro zusätzlichem Beschäftigungsverhältnis im Elementarbildungsbereich bis 2016 wurden bis dahin dreimal mehr zusätzliche Arbeitsplätze über sämtliche Wirtschaftssektoren geschaffen bzw. gesichert.

„Jeder in die Qualität früher Bildung investierte Euro kommt volkswirtschaftlich gesehen mindestens achtfach zurück.“

Nachfolgend die wichtigsten Forderungen der Industriellenvereinigung – die auch von den Sozialpartnern geteilt werden – für die Zukunft der Kinderbetreuung.

Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung

Der Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz soll zur besseren Planbarkeit und Umsetzung für die Länder in zwei Etappen erfolgen: ab Herbst 2023 ab dem 2. Geburtstag, ab Herbst 2025 ab dem 1. Geburtstag des Kindes. „Wir brauchen dringend eine flächendeckende, flexible und leistbare Kinderbetreuung vom Neusiedlersee bis zum Bodensee – insbesondere für Unter-Dreijährige“, so IV-Generalsekretär Neumayer. Besonders wichtig für die Industrie: Die Öffnungszeiten müssen mit einer Vollzeitbeschäftigung beider Eltern vereinbar sein. Notwendig sind zudem mehr und auch mobile Betreuungsangebote durch Tageseltern als Ergänzung, etwa zu Randzeiten.

Mehr Investitionen in frühkindliche Bildung

„Auch wenn Unternehmen viel in die Vereinbarkeit und entsprechende Maßnahmen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren, kann das immer nur eine Ergänzung sein“, so IV-Präsident Knill. Er plädiert für eine Aufstockung der finanziellen Mittel für die Kinderbetreuung – und nicht nur eine Verlängerung der bisherigen Vereinbarung mit den Bundesländern für den Ausbau. Mittelfristig muss Österreich jedenfalls bei den Investitionen in frühkindliche Bildung an den EU-Schnitt von einem Prozent vom Bruttoinlandsprodukt aufschließen. Das wären rund vier Mrd. Euro, derzeit sind es rund 2,3 Mrd. Euro. Knill: „Jeder in die Qualität früher Bildung investierte Euro kommt volkswirtschaftlich gesehen mindestens achtfach zurück. Anders betrachtet: Jeder nicht investierte Euro kostet uns mindestens acht Euro in der Zukunft.“

Ausbildungsoffensive für Pädagoginnen und Pädagogen

Österreich ist eines der Schlusslichter in Europa, was das Qualifikationsniveau der Elementarpädagoginnen und -pädagogen betrifft. „Es muss eigentlich klar sein, dass die am besten ausgebildeten Personen zu den Jüngsten müssen. Jetzt soll daher die vom Bund gestartete Ausbildungsoffensive weiter intensiviert werden“, fordert IV-Generalsekretär Neumayer. Ausbau und Qualität von Kindergartenplätzen brauchen schließlich ausreichend qualifiziertes Personal.

„In Österreich hängen Vorhandensein und Qualität elementarpädagogischer Angebote vom Wohnort ab.“
Betriebe unterstützen

Wichtig ist der Industriellenvereinigung auch die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Betriebe, die Kinderbetreuung ermöglichen. Weniger bürokratische Hürden für die Errichtung eines Betriebskindergartens sind ebenso wichtig wie Lohnsteuerfreiheit, wenn auch „Nichtbetriebsangehörige“ den Betriebskindergarten besuchen. Die IV schlägt zudem vor, den Zuschuss der Unternehmen für ihre Beschäftigten für die Betreuung von Kindern von bis zu 1.000 Euro pro Jahr und Kind steuer- und sozialversicherungsfrei bis zum 14. Lebensjahr auszuweiten. „Bessere Kinderbetreuung zahlt sich aus – und muss sich auch für alle auszahlen, die sich dafür einsetzen“, so IV-Präsident Knill.

Foto: IV


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