JE FAIRER DER WETTBEWERB, DESTO GRÖSSER SIND UNSERE CHANCEN

Interview mit Karin Exner-Wöhrer, Vorsitzende des IV-Ausschusses Europa und Internationale Märkte, über Prioritäten für die Exportpolitik. 

Wie präsentiert sich das Lagebild für Österreichs Exportwirtschaft?

Die Corona-Pandemie hat Österreichs Außenwirtschaft schwer getroffen, Exporte und Importe sind 2020 jeweils um 15 Prozent eingebrochen. Einzelne Bereiche waren durch die Pandemie wesentlich stärker in Mitleidenschaft gezogen als während der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009. Im Februar hat die Erholung eingesetzt: Zuwächse gab es bei den Exporten vor allem in die asiatischen Länder mit +29 Prozent nach China und +26,6 Prozent nach Japan. Die Exportschlager waren medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse mit einem Plus von 10,4 Prozent. Wir sehen, dass sowohl die Exporte als auch die Importe schon wieder einigermaßen an das Vorkrisenniveau angeschlossen haben.

Die USA und China gewinnen wirtschaftlich massiv an Fahrt. Wie können Österreich und die EU bessere internationale Rahmenbedingungen für ihre Exporteure schaffen?

Österreich bzw. die EU muss sich auf internationaler Ebene in der WTO, der OECD sowie der UNO und bei internationalen Finanzinstitutionen für eine Politik einsetzen, die faire Wettbewerbsbedingungen schafft. Je fairer der Wettbewerb, umso größer ist das Exportpotenzial heimischer Betriebe, die für Qualität und Spitzentechnologie stehen. Im Gegenzug gilt: Je mehr Protektionismus, desto ungleicher die Chancen. Österreich muss gemeinsam mit ähnlich gesinnten Staaten in den internationalen Organisationen Position beziehen. Um faireren Wettbewerb herzustellen, muss die EU ihr Gewicht als einer der erfolgreichsten Wirtschaftsräume der Welt mit einem attraktiven Binnenmarkt in die Waagschale werfen.

„Um faireren Wettbewerb herzustellen, muss die EU ihr Gewicht als einer der erfolgreichsten Wirtschaftsräume der Welt in die Waagschale werfen.“

Was kann die EU konkret dafür tun?

Gut gemachte Handelsabkommen spielen dabei eine essenzielle Rolle. Denn sie öffnen Märkte und schaffen Wachstum. Für gleiche Wettbewerbsbedingungen muss die EU außerdem eigenständig Maßnahmen setzen. Wenn internationale Verhandlungen ins Stocken geraten. Ein Schritt in die richtige Richtung ist die Industriestrategie der Europäischen Kommission, wonach massiv subventionierten Unternehmen aus Drittstaaten der Marktzugang zum EU-Binnenmarkt limitiert werden kann.

Und was soll die österreichische Exportpolitik tun?

Um unsere Betriebe besser zu unterstützen, sind neue Akzente in der nationalen Exportförderpolitik sinnvoll, wir arbeiten diesbezüglich an konkreten Vorschlägen. Schlussendlich muss aber der österreichischen und europäischen Politik bewusst sein: Nationale Maßnahmen können nur dann ihre vollständige Wirkung entfalten, wenn international fairer Wettbewerb herrscht und Märkte geöffnet werden. Exportfördernde Maßnahmen ohne Handelsabkommen wirken nur eingeschränkt. „Um faireren Wettbewerb herzustellen, muss die EU ihr Gewicht als einer der erfolgreichsten Wirtschaftsräume der Welt in die Waagschale werfen.“ Karin Exner-Wöhrer Vorstandsvorsitzende SAG Salzburger Aluminium Group INTERVIEW ZUR PERSON Karin Exner-Wöhrer ist Vorstandsvorsitzende des Familienunternehmens SAG Salzburger Aluminium Group. Seit 2020 leitet sie den IV-Ausschuss für Europa und Internationale Märkte. Auf der Agenda stehen hier unter anderem die Analyse politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen wesentlicher Wirtschaftsräume (z.B. USA, China, Russland) und von Regionen mit steigender Bedeutung (etwa Afrika, ASEAN) sowie Ableitungen für die heimische Industrie. Ein weiterer Schwerpunkt ist die EU-Politik.

CEO Salzburger Aluminium AG (SAG AG)
Foto: H.Haböck

Karin Exner-Wöhrer ist Vorstandsvorsitzende des Familienunternehmens SAG Salzburger Aluminium Group. Seit 2020 leitet sie den IV-Ausschuss für Europa und Internationale Märkte. Auf der Agenda stehen hier unter anderem die Analyse politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen wesentlicher Wirtschaftsräume (z.B. USA, China, Russland) und von Regionen mit steigender Bedeutung (etwa Afrika, ASEAN) sowie Ableitungen für die heimische Industrie. Ein weiterer Schwerpunkt ist die EU-Politik.