Warum eine umfassende Strategie gegen den Fachkräftemangel nötig ist

Die IV entwickelt weitreichende Vorschläge für eine Verbesserung der Fachkräftesituation und der Lehrausbildung

Die Verfügbarkeit von Fachkräften zählt zu den entscheidenden Herausforderungen für Österreichs Industrie. Nach der Corona-Krise, aber auch schon davor und zum Teil sogar währenddessen. Das Problem ist nicht mit einem einfachen Aufrechnen von Arbeitslosen und offenen Stellen zu beantworten. Der Bedarf der Industrie bewegt sich auf vielen Ebenen: Er reicht vom Lehr- bis zum Hochschulabschluss, mit dem größten Mangel bei Ersterem (Qualifikationsebene) und betrifft insbesondere Mechatronik, Elektrotechnik, Informatik sowie Maschinenbau (fachliche Ebene). Neben den fachlichen Kenntnissen braucht es u.a. auch IT-Grundkompetenzen, die Offenheit für den Austausch über fachliche und organisatorische Grenzen hinweg und gute Englischkenntnisse (Kompetenzebene). Nicht zuletzt kann die Konjunktur (z.B. durch eine Pandemie) oder technologische Innovationen (z.B. für den Klimaschutz) die Rahmenbedingungen sehr schnell ändern.

Konkrete Empfehlungen: „Skill Agency“ & Fachkräftestrategie

Angesichts dieser Komplexität braucht es umfassende und gemeinsame Antworten: Wie etwa der IV-Vorschlag einer „Skills Agency“ oder „Fachkräfteagentur“. Diese soll Empfehlungen dafür aussprechen, was z.B. Unternehmen, Bildungsanbieter oder das AMS zur zukunftsgerichteten Fachkräfteentwicklung beitragen können. Oder der Ruf nach einer österreichweiten Fachkräftestrategie, die eine abgestimmte Weiterentwicklung der Ausbildungsbereiche, der Weiterbildung von Beschäftigten und Arbeitssuchenden, der beruflichen Wahlmöglichkeiten von Frauen oder der gesteuerten Zuwanderung von Schlüsselkräften umfasst. Dafür müssen Zuständigkeitsgrenzen überwunden und eine gemeinsame Vision entwickelt werden.

Die Lehrausbildung spielt eine entscheidende Rolle für die Industrie. Allerdings fehlte es an Bewerbungen in der Corona-Zeit – ausgelöst durch die strategische Vorsicht vieler Jugendlicher und deutlich weniger Umstiege aus BHS und AHS aufgrund der milderen Aufstiegsklausel. Anfang Juni musste man noch von rund 1.000 Lehrstellen ausgehen, die die Industrie nicht oder nur schwer besetzen kann. Besonders gesucht wird für Elektro- und Metallberufe, aber auch Kunststoff- und Holztechnik- oder IT-Lehrberufe.

Foto: IV

Eingangsphase in Lehrausbildung

Neben der Rückkehr zur üblichen Aufstiegsklausel gewinnt dadurch eine weitere IV-Empfehlung deutlich an Gewicht – nach einer qualitätsvollen und verbindlichen Eingangsphase in die Lehrausbildung. Diese soll für interessierte junge Menschen den Wechsel aus BHS oder AHS als aktuell häufigsten Einstieg in eine Lehre obsolet machen. Eine laufende IV-Studie mit über 10.000 Jugendlichen wird dafür diesen Sommer weitere Belege bringen und Gestaltungsmöglichkeiten für den Einstieg aufzeigen. Mit dem Drehen an dieser und ein paar weiteren Stellschrauben (Lehre mit und nach Matura, höhere Berufsbildung etc.) wird der Boden für eine nachhaltige Imageverbesserung und zukünftige Imagekampagnen zur Lehrausbildung aufbereitet.