Vorrang für die Zukunft

Digitale Transformation und innovative Forschung sind Schlüsselfaktoren für Wertschöpfung und Wachstum in der Zukunft. Die Industriellenvereinigung setzt sich dafür ein, dass die Digitalisierung zur DNA Österreichs wird – und sagt, was dafür zu tun ist. 

Dass Corona auch einen enormen Digitalisierungsschub gebracht hat, steht außer Frage. Die Pandemie war in vielen Bereichen so etwas wie ein Crashkurs für die digitale Transformation. Aber der Weg zu einem wettbewerbsfähigen Digital-Standort Österreich ist noch weit. Dies zeigt auch eine neue Studie von Industriellenvereinigung und Accenture. Ihr zentrales Ergebnis: 33,3 Prozent der Großunternehmen nutzen Analysen und Vorhersagen aus Daten oder wenden entsprechende Geschäftsmodelle an. Bei KMU ist der Anteil weniger als halb so hoch. Es besteht daher nicht nur bei Klein- und Mittelbetrieben, sondern auch bei den großen Playern der Wirtschaft digitaler Handlungsbedarf. „Europa verliert im Vergleich zu Amerika und Asien an Boden, besonders bei zukunftsweisenden digitalen Schlüsseltechnologien. Hier haben wir Aufholbedarf – wir müssen den Produktionsstandort in eine erfolgreiche Zukunft führen“, erklärt IV-Präsident Georg Knill.  

Digitalisierung und Forschung als Wachstums-Turbos nützen 

Die IV forciert die digitale Transformation des Standortes gezielt. Sie erarbeitete im Rahmen der Task Force Digitalisierung und Künstliche Intelligenz einen Aktionsplan. Das aus guten „analogen“ Gründen: Digitalisierung ist für Wachstum und Jobs unverzichtbar. Stärker digitalisierte Unternehmen haben ein bis zu 7,2 Prozentpunkte höheres Mitarbeiterwachstum. Sie konnten im Zeitraum 2016 bis 2019 ein Produktivitätswachstum von durchschnittlich 7,1 Prozent realisieren, so die erwähnte Studie. Ebenso beeindruckend wirkt der Wachstumsturbo Forschung: Forschungsaktive Unternehmen verzeichnen ein viermal höheres Umsatz- und 18-fach höheres Beschäftigungswachstum. Stefan Borgas, CEO von RHI Magnesita und Vorsitzender der IV-Task Force Digitalisierung und KI erklärt die Ambitionen der Task Force: „Österreich soll bis 2030 zu den Top-3-Digitalisierungsvorreitern in Europa aufschließen, sich als Digitalisierungs-Hotspot positionieren und Digitalisierung in seiner DNA verankern.“ Borgas fordert zudem die Umsetzung einer echten Technologieoffensive für die angewandte Forschung als Grundlage für jegliche Digitalisierungsoffensiven. 

„Wir brauchen keine Verbote, sondern Vorrang für eine gute Zukunft.“

Prioritäten für digitale Transformation und Forschung 

Die wichtigsten Anliegen der Industrie für Digitalisierung und Forschung in Österreich auf einen Blick.  

Datenaustausch-Plattformen: Datennutzung und digitale datengetriebene Geschäftsmodelle helfen dabei Effizienzsteigerungen und Wertschöpfungspotentiale zu heben, neue Kundengruppen zu erschließen und die Resilienz zu erhöhen. IV-Präsident Knill: „Für die Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen braucht es in erster Linie eine ausreichende Verfügbarkeit von hochwertigen Datensätzen – und daher eine Datenaustausch-Plattform, um Daten freiwillig, unter höchsten Anforderungen an den Datenschutz und unter Absicherung von Geschäftsgeheimnissen, sinnvoll teilen zu können.“ 

Cybersecurity-Know-how: Im Jahr 2019 wurde weltweit jedes Unternehmen durchschnittlich Opfer von über 200 Cyberangriffen mit Schäden in Billionenhöhe. Laut der aktuellen KPMG-Studie „Cyber Security in Österreich 2021“ verzeichnen 38 Prozent der Unternehmen eine Zunahme von Cyberangriffen seit der Corona-Krise. Insgesamt waren bislang sogar 60 Prozent aller österreichischen Unternehmen Opfer eines derartigen Angriffs, der Großteil sogar mehrmals. Borgas: „Es ist notwendig, am Puls der Zeit zu bleiben. Die Cyberattacken werden perfider, die Hacker immer fortschrittlicher in ihren Methoden. Daher müssen wir hier in die Offensive übergehen und konsequent in Cybersecurity investieren.“ Daher ist mehr Know-how zum Thema in Österreich notwendig: Cybersicherheit soll in sämtlichen Ausbildungswegen integriert sein. Internationale Vernetzung und strategische Beteiligung an Cybersecurity-Initiativen müssen ebenso am Programm stehen, wie die Anwerbung ausländischer Security-Fachleute und betriebsübergreifende Zusammenarbeit. Cybersecurity-Investitionen im Unternehmen sollen zudem durch steuerliche Begünstigungen unterstützt werden. „Unser Ziel ist es, Österreich zu einem unüberhörbaren Player zu entwickeln, der Cybersecurity als einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Österreich etabliert hat“, erklärt der IV-Task Force-Vorsitzende Borgas.  

„Österreich soll bis 2030 zu den Top-3-Digitalisierungsvorreitern in Europa aufschließen.“

Technologieoffensive: Um Österreichs technologische Kompetenzführerschaft in strategisch wichtigen Bereichen auszubauen, plädiert die Industrie für den Ausbau von FTI-Programmen in den Bereichen innovative Produktionstechnologien, Schlüsseltechnologien für die digitale Transformation der Produktion, Energie- und Mobilitätsforschung sowie für eine Stärkung des Life Science-Standorts Österreich. Zudem müssen themenoffene F&E-Formate (z.B. die Basisprogramme), die eine wichtige Radarfunktion für frühzeitige Entwicklungen im Innovationssystem erfüllen, abgesichert werden. Die ebenfalls in der österreichischen FTI-Strategie angekündigte Weiterentwicklung der Nationalstiftung, ein wesentlicher Baustein der österreichischen FTI-Finanzierung, zum „Fonds Zukunft Österreich“ muss rasch umgesetzt und die Finanzierung abgesichert werden. „Die Zeit drängt. Nur damit können zentrale F&E-Aktivitäten von forschungsintensiven Unternehmen abgesichert und ein zusätzlicher Schub für Wachstum und Arbeitsplätze erzeugt werden“, so Knill.  

Mehr MINT-Fachkräfte: Erfolgreiche digitale Transformation und Innovation brauchen mehr entsprechend qualifizierte Fachkräfte. Österreichs FTI-Strategie sieht 20 Prozent mehr MINT-Absolventinnen und -Absolventen aus HTL, FH und Universität bis 2030 vor. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, schlägt die Industrie die Entwicklung einer MINT-Road-Map vor. Außerdem soll es eine MINT-Qualitätsoffensive vom Kindergarten bis zur Hochschule sowie die Einrichtung von MINT-Regionen geben, um flächendeckend mehr „MINT-Spirit“ in Österreich zu erzeugen.  

Für IV-Präsident Georg Knill ist klar: „Egal, ob es um digitale Transformation oder Klimaschutz geht – die starke österreichische Industrie ist der Schlüssel, mit dem wir die großen Herausforderungen unserer Zeit erfolgreich meistern können. Wir brauchen keine Verbote, sondern Vorrang für eine gute Zukunft.“

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