"Wir brauchen Genies und Bahnbrecher"

Aufbruchsstimmung beim IV-Sommerausklang: Industrie kam gut aus der Krise. Keynote-Speaker Andrej J. Zwitter setzt in Holland das interdisziplinäre Bildungssystem der Zukunft um  

IV-Kärnten-Präsident Timo Springer nahm den Industrieempfang zum Sommerausklang zum Anlass, auf die erfolgreiche Krisenbewältigung durch die Kärntner Industrie zurückzublicken. Mit intelligenten Konzepten und Hausverstand habe sich die Industrie als Highlight und Rückgrat der Kärntner Wirtschaft erwiesen. Sie sei am besten durch die Pandemie gekommen und habe wieder massiv in den Standort investiert. Als produzierender Sektor stehe sie für 5.330 Betriebe mit rund 55.000 Beschäftigten. Kleine und Mittlere Unternehmen dominieren hier. Im Bereich „Herstellung von Waren“ hätten nur 68 Betriebe mehr als 100 Beschäftigte, so Springer. Er nannte auch die großen Herausforderungen für die Betriebe: die Digitalisierung und die Regulierungswut etwa. Letztere müsse in einer Kraftanstrengung mit der Politik auf ein erträgliches Maß zurückgestutzt werden.

Akademisches ParadiesDurch den weiteren Abend zogen sich dann wie ein roter Faden die Themen Fachkräfte und Klimawandel. Der gebürtige Kärntner Andrej J. Zwitter ist in den Niederlanden quasi auf historischem Boden in Leeuwarden mit der Gründung einer neue Uni betraut worden, dem Campus Fryslân der Uni Groningen. Was 2017 mit 12 Angestellten und 20 Studierenden begann, ist heute ins Verhältnis 100 zu 400 gewachsen. Dekan Zwitter formuliert das Ziel, Studierende zu globalen Leadern für ebenso globale Herausforderungen zu machen. Er beschreibt für die heimischen akademischen Verhältnisse geradezu paradiesische Zustände: Lehrkräfte, die sich nicht von einer provisorischen Anstellung zur nächsten weiterzittern oder ständig unter dem Druck stehen, publizieren zu müssen. Studierende, die interdisziplinär und transdisziplinär auf Augenhöhe mit Wirtschaft und Politik an Problemen arbeiten. „Living Labs“ nennen sie das. Die Hälfte der Studierenden sind Ausländer. Der gute Ruf hat auch schon Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon ereilt, aber genauso prominente holländische Kicker wie Arjen Robben, die hier mit Studierenden in Dialog traten. Studierende, die konsumierenBald kommt Zwitter zu Grundfragen des Bildungssystems, wenn er etwa die Frage aufwirft, wie man mit Lerninhalten von gestern auf die Herausforderungen der Zukunft zugeht. Die Welt brauche nicht Studierende, die nur konsumieren, sie brauche Genies und Bahnbrecher. In Wahrheit müsse man, wenn man bilde, schon die angestrebte Welt der Zukunft mitdenken, plädierte Zwitter dann für eine Interdisziplinarität, die komplexe Ansätze zwischen Naturwissenschaften und etwa auch Philosophie ermögliche. Gerade wenn es um so komplexe Themen wie den Klimawandel gehe. „Die Welt brauche eine Uni, wie die Welt sie haben wolle“, brachte es Zwitter abschließend auf den Punkt. In seinem Fazit gab IV-Kärnten-Präsident Springer dann zu bedenken, dass man im Eifer der Transformation aufpassen müsse, sie wirtschaftsverträglich zu gestalten. Zwitter empfahl Kärnten, sich seiner Stärken zu besinnen und größer zu denken.