Mut zu radikalen Änderungen

Unternehmen stellen sich in der Krise neu auf. Politik sollte dem Beispiel folgen. 

Von den letzten drei Jahren meiner ersten Periode als Präsident der IV Kärnten waren zumindest eineinhalb solche des Ausnahmezustands. Noch nie war die Industriellenvereinigung derart gefordert: am Anfang, weil sie Überzeugungsarbeit leisten musste, dass die Industrie überhaupt weiter produzieren konnte, dann als Vermittler zwischen politischen Entscheidungsträgern und den durch zahlreiche Gesetze und Verordnungen verunsicherten Betrieben.

Unter dem Motto „Never Waste a Good Crisis“ ist es aber schon bald um sehr viel mehr gegangen. Lesen Sie etwa auf der gegenüberliegenden Seite, welche Lehren RHI Magnesita gezogen hat, wie man sich durch Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle in Zukunft resilienter aufstellen wird. Es ist die Zeit der Mutigen, die auch radikale Änderungen in Angriff nehmen. Ob groß oder klein, die Betriebe investieren! Unterstützung durch Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds oder die sich verbessernde Bürokratie werden dabei durchaus lobend erwähnt. Es klingt aber auch fundamentale Kritik über den geschützten öffentlichen Bereich durch. Das Economica-Institut hat erst kürzlich wieder festgestellt, dass Kärnten hinter dem Burgenland österreichweit die im Verhältnis teuerste Verwaltung hat. Die Kosten-Nutzen-Relation hat ein Unternehmer treffend so beschrieben: Man bucht das Viersternehotel und muss seine Koffer selbst nach oben schleppen.

In Zeiten der explodierenden Schulden muss die Politik noch klarer evaluieren, ob öffentliche Leistungen auch wirklich effizient genug erbracht werden, oder ob sich nicht z.B. vieles günstiger digitalisieren lässt. Der Rechnungshof liefert genügend Anhaltspunkte. In der Umsetzung wird man sich endlich extern begleiten lassen müssen. Noch dringender sind allerdings mutige standortpolitische Initiativen, die Kärnten endlich ein klareres Profil geben und wachstumsstarke Branchen forcieren.