Fachkräfte gesucht!

Die Kärntner Industrie nimmt trotz langsam sich abschwächender Konjunktur weiter neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf. Neupositionierung des Technologiestandortes nötig, um Kärnten auf der Überholspur zu halten. Spannende Details aus der Industrielehre.

„Über sechs Quartale meldet nun schon rund ein Viertel der Kärntner Industriebetriebe, dass sie neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen wollen“, beschreibt IV-Kärnten-Präsident Timo Springer die positiven Auswirkungen der aktuellen Industriekonjunktur auf die Beschäftigung. Am stärksten übrigens in der Elektronik und in der chemischen Industrie. Das habe nicht nur mit der guten Geschäfts- und Auftragslage zu tun, sondern auch mit dem rasanten technologischen Wandel. Digitalisierung und immer neue Anforderungen der Kunden verlangen neue Kompetenzen. Um diese zu erwerben, setze man einerseits auf die eigene Fachkräfteausbildung, andererseits auf die Weiterentwicklung bestehender Bildungseinrichtungen. Als Beispiele für Letzteres nannte Springer nicht nur Fachhochschule und Universität, sondern etwa auch die unterschiedlichsten Kooperationen mit Kindergärten und Schulen, von den Forscherboxen für die Kleinsten bis zur Industrie-HAK. „Kärntens Industrie ist bestens vorbereitet, das Finden geeigneter Fachkräfte ist aber zur Herausforderung Nummer eins geworden“, meint der IV-Kärnten-Präsident in Anspielung auf die schwierige demografische Lage des Landes.

Konjunktur: leichte Abwärtsbewegung

„Die aktuelle konjunkturelle Situation ist nach wie vor mehrheitlich positiv zu sehen“, meint Springer. Jeweils über die Hälfte der Betriebe sprechen noch von einer positiven Entwicklung der Auslandsaufträge bzw. der Aufträge insgesamt. Allerdings würden auch die negativen Rückmeldungen leicht steigen. Gegenüber dem letzten Quartal deutlich zurückgegangen sei die Produktionstätigkeit. Auch bei den Verkaufspreisen fielen die Prognosen deutlich vorsichtiger aus. Nach Branchen seien außer da und dort saisonbedingten kleinen Dellen kaum Unterschiede auszumachen. Die konjunkturelle Seitwärtsbewegung beginne aber bei etlichen Indikatoren in eine leichte Abwärtsbewegung überzugehen. Umso wichtiger sei es, jetzt stabilisierend einzugreifen, um Kärnten auf Überholkurs zu halten.

In den letzten beiden Jahren sei der Kärntner produzierende Sektor deutlich stärker als der Österreichschnitt gewachsen. Die Großinvestition bei Infineon sei nicht die einzige Erklärung dafür. Nach langer Durststrecke wirke sich der erfolgreiche Strukturwandel aus. Um diesen nachhaltig zu gestalten, müsse jetzt aber auch an den richtigen Schrauben gedreht werden. Springer rief dazu die Roadmap der IV Kärnten für den Standort in Erinnerung: Ganz wesentlich werde der weitere Erfolg einer High-Tech-Industrie und ihres Dienstleistungsumfelds von einer Zentralraumstrategie und einer entsprechenden Urbanisierung in der „Landeshauptstadt Wörthersee“ zwischen Klagenfurt und Villach abhängen. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte habe gezeigt, dass städtische Räume wachsen, während ländliche schrumpfen. Unter „städtisch“ verstehe man mittlerweile Ballungsräume mit mindestens 250.000 Einwohnern, stellte Springer klar. Für ebenso wichtig hält er ein völlig neues Standortmarketing. Kärnten international erfolgreich als Tourismusland zu vermarkten, reiche nicht. Auch der Bildungs-, Arbeits- und Technologiestandort müssten entsprechend bekannt gemacht werden. Kärnten brauche neue Betriebe, die seine Stärken weiter stärken und es brauche die Zuwanderung von Fachkräften und Forschern. Das werde aber nur mit der Neupositionierung gelingen.

Industrielehre verstärkt „am Radar“

IV-Kärnten-Geschäftsführerin Claudia Mischensky unterstrich die Bedeutung der Lehrlingsausbildung in der Kärntner Industrie: „In diesen Tagen fällt in den Familien vielfach die Entscheidung, ob ihre Kinder weiter in die Schule gehen, oder eine Lehre beginnen“. Die Industrielehre ist dabei eine immer spannendere Option. Zum Leidwesen der Betriebe betreffe das Interesse zwar nicht alle Lehrberufe gleichermaßen, aber die Industrie sei definitiv „am Radar“. Es habe sich herumgesprochen, dass die Kärntner Industrie 82 Prozent ihrer Lehrlinge behalte. Die Ausbildung sei inzwischen so hochwertig, dass mehr als zwei Drittel der Lehrlinge ihre Ausbildung mit ausgezeichnetem oder gutem Erfolg beenden, so Mischensky. Fast die Hälfte der Kärntner Industrielehrlinge nutzen übrigens die Möglichkeit, ihre Lehre mit Matura zu machen. Das habe den Vorteil, dass man sich zusätzlich zur Berufsausbildung noch die Option eines berufsbegleitenden Studiums offenhalte. Mischensky betonte, dass dies von den Unternehmen aktiv unterstützt werde. Nicht wenige Lehrabsolventen entscheiden sich nach der Lehre noch für ein solches berufsbegleitendes Studium. Aus- und Weiterbildung werde in der Kärntner Industrie groß geschrieben. 

Lehrlinge aus allen Richtungen

Welche Schulformen haben die Kärntner Industrielehrlinge vorher besucht? Die meisten aufgenommenen Lehrlinge (29,1 Prozent) kommen laut Mischensky von Neuen Mittelschulen. Knapp dahinter folgen die Polytechnischen Schulen mit 25,7 Prozent. Überraschend sei allerdings, dass mittlerweile über 13 Prozent der aufgenommenen Lehrlinge von Allgemein Bildenden Höheren Schulen (Gymnasien) kommen, zitiert Mischensky die IV Lehrlingsstatistik („Lehrlingsbarometer“). Lehrlinge kämen jedenfalls aus allen Richtungen zur Industrie.

Anschließend präsentierte sie „INLEHRE“, die Online Plattform der IV Kärnten zur Industrielehre. Hier finde man von allen ausbildenden IV-Kärnten-Mitgliedsbetrieben, die Lehrlinge einstellen, die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner mit Kontaktdaten, Termine für die Schnupperlehre, Porträts der wichtigsten Lehrberufe und spannende Blicke hinter die Kulissen der Industrielehre.

An der Konjunkturumfrage haben zwischen 7.12.2018 und 15.01.2019 56 Firmen mit 18.981 Beschäftigten teilgenommen.Die Lehrlingsstatistik („Lehrlingsbarometer“) wurde im Herbst 2018 nach Beginn des aktuellen Lehrjahrs erhoben.
www.inlehre.at die Online-Plattform der Industrielehre der IV Kärnten

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