Transparenz und Vertrauen

IV-Kärnten-Präsident Christoph Kulterer macht den Unternehmern beim Sommerempfang auf Chateau Taggenbrunn Mut, an den Standort Kärnten zu glauben. Von der Politik verlangt er Reformen.


„Vertrauen ist der Turbo-Boost für gelungene Veränderungsprozesse, genau wie bei einem Baum der Dünger für Wachstum“, wählte Christoph Kulterer in seiner Rede einleitend ein Bild, um zu zeigen, wie Kärnten und Österreich vorankommen sollen. Fehlendes Vertrauen äußere sich in Langsamkeit und hohen Steuern, in Doppelgleisigkeiten und aufwändiger Überwachung. Als Beispiel nannte er hier das Energieeffizienzgesetz, wo man dem Konsumenten nicht zutraue, eigenständig auf seinen Energieverbrauch zu achten und deshalb dem Lieferanten komplizierte und teure Bürokratie aufbürde.
Verbindliche Daten gefragt
Genauso kritisiert Kulterer die mangelnde Transparenz und Nachvollziehbarkeit im öffentlichen Bereich. Transparenz sei die Basis für Vertrauen. Vor gut zwei Jahren habe er in Kärnten schon angeregt, mit Hilfe des so genannten „KärntenCockpit“ die wichtigsten Kennziffern des Landes sichtbar zu machen. Das funktioniere leider immer noch nicht. Während der Bundesrechnungshof dem Bundesland (bezogen auf die Zahl der Erwerbstätigen) dreimal so viele öffentlich Bedienstete wie Vorarlberg attestiere, würden diese Zahlen von der Landespolitik angezweifelt. Auf verbindliche Daten habe man sich bis heute nicht einigen können.
Genauso im Gesundheitswesen. Da habe Kärnten 8,7 Krankenhausbetten auf 1.000 Einwohner, Vorarlberg nur 5,9, die benachbarte Schweiz sogar nur 5,3. Er fragt sich deshalb, wie es stimmen könne, dass man mit einer Reduktion der Bettenzahl von 8 Prozent bei einem Budget von rund einer Mrd. Euro lediglich 10 Mio. Euro einspare. Er verlangt mehr Vertrauen von der Politik, transparente Daten und präzise kommunizierte Studien hinter Projekten wie dem „Regionalen Strukturplan Gesundheit“.
Wirtschaftsstandort mit Qualität
Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Kärnten impfte der IV-Kärnten-Präsident den rund 450 Mitgliedern und Gästen vor dem prachtvollen Hintergrund der Karawanken und dem industriellen Vordergrund der Stadt St. Veit an der Glan ein. Kärnten habe offensichtlich einen Strukturwandel geschafft, in der Warenproduktion im Jahr 2014 ein rund dreimal so hohes Wachstum wie der österreichische Durchschnitt hingelegt. Er hob die intelligente Profilbildung der Region etwa im Bereich der Mikroelektronik hervor, das von Infineon geleitete EU-Projekt Powerbase zur Entwicklung der Energiesparchips der Zukunft. Außerdem sprach er die Taskforce im Bereich Industrie 4.0 an, wo sich Betriebe und Forschung gerade neu aufstellen. Schließlich nannte er beispielhaft die höchst innovativen und konkurrenzfähigen Unternehmen in den Branchen Maschinen und Metall, Chemie oder Holz. Kärnten halte österreichweit den höchsten Anteil an betrieblicher Forschung.
Die finanzielle Lage des Landes sei allerdings ein enormes Handicap, so Kulterer. Er sprach der Politik nicht den Willen ab, die nötigen Veränderungen herbeizuführen. Viele hätten allerdings das Gefühl, dass alles zu langsam gehe. Er appellierte an die Anwesenden, Verantwortung zu übernehmen, damit Kärnten wieder zurück an die Spitze komme. 

Bildunterschrift (von links): IV-Vizegeneralsekretär Mag. Peter Koren, IV-Kärnten-Vizepräsidenten: Dr. Oliver Zlamal, DI Dr. Sabine Herlitschka, Präs. Christoph Kulterer, IV-Kärnten-Geschäftsführerin Dr. Claudia Mischensky, Mag. Paul Sommeregger, DI Dr. Alexander Bouvier
Foto Eggenberger (Abdruck honorarfrei)


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