Positive Standortfaktoren nutzen, bei negativen aufholen!

Lebens- und Arbeitsqualität am Standort Kärnten laut Umfrage fast perfekt: „Machen wir endlich etwas daraus!“, fordert IV-Kärnten-Geschäftsführerin Claudia Mischensky. Stabile Industriekonjunktur und positiver Ausblick auf 2016.

„90 Prozent der Kärntner Industriebetriebe loben die gute Lebensqualität und die Arbeitsbedingungen am Standort, 86 Prozent die gesellschaftliche Stabilität und öffentliche Sicherheit. Beste Voraussetzungen also, um damit international punkten zu können“, meinte IV-Kärnten-Geschäftsführerin Claudia Mischensky bei einer Pressekonferenz in Klagenfurt. Kärnten habe seine Qualitäten, mache aber viel zu wenig daraus. Das Standortmarketing sei gefordert, um Kärnten im Wettbewerb der Regionen sichtbar zu machen. Mischensky setzt sich für ein neues Leitbild ein, das die wahren Stärken des Landes forciere. Diese lägen eindeutig im Industrie- und Technologiestandort bzw. dessen Kommunikation auf allen Ebenen.
61 Prozent der Betriebe schätzen übrigens die motivierten Mitarbeiter hier, allerdings nur 36 Prozent deren Qualifikation (62 Prozent teilweise). Da spiegle sich langsam auch die hohe Abwanderung der Jugend wider. An den Schulen liege es offenbar nicht. Fast die Hälfte der Unternehmen lobt laut Mischensky nämlich deren Qualität. Differenziert ist die Wahrnehmung von Uni und Fachhochschulen (20 Prozent Zustimmung, 71 Prozent teilweise), was aber auch damit zusammenhängen könne, so die IV-Kärnten-Geschäftsführerin, dass wesentliche Grundlagenfächer im technischen Bereich nicht vor Ort zu finden seien. Die Kärntner Industrie sei allgemein nach Branchen sehr breit aufgestellt, was es schwer mache, Bildungsschwerpunkte zu setzen. Fast ein Viertel der Betriebe ist mit dem Weiterbildungsangebot in Kärnten zufrieden, 67 Prozent sind es zum Teil. Nur 18 Prozent der Unternehmen sind hingegen mit Öffnungszeiten und Qualität der Kinderbetreuungseinrichtungen zufrieden, 35 Prozent gar nicht, der Rest teilweise.

Gute Straßenanbindung
Trotz der finanziellen Probleme bei der Sanierung und der zahlreichen Straßensperren für LKW seien 72 Prozent der befragten Kärntner Industriebetriebe mit der Straßeninfrastruktur zufrieden, 29 Prozent mit der Breitbandversorgung, so Mischensky. Bahn und Flugzeug kommen vergleichsweise schlechter weg. Nur 2 Prozent sind mit den Flugverbindungen vom Klagenfurter Flughafen einverstanden, 86 Prozent gar nicht. Unter die Positiva fallen außerdem die hohe Rechtssicherheit (53 Prozent), die qualifizierten Zulieferbetriebe (32 Prozent), die zwischenbetrieblichen Kooperationen oder die Energieversorgung (38 Prozent). Letztere kennt im Augenblick allerdings eine große Problemzone: die verzögerte 110-kV-Netzabstützung im Raum Villach.

Mehr Service durch Verwaltung!
Es gibt aber auch Bereiche, wo Kärnten deutlichen Nachholbedarf hat, wie Mischensky hervorhebt. Die Bürokratie ist sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene eine Schwachstelle. Trotz hoher Kosten werden Service durch die Behörden, Verfahrensabwicklung und Umweltauflagen kritisch gesehen. Die Standortpolitik des Landes schneidet dabei noch etwas besser ab als jene des Bundes. Bei Zustimmungswerten von 9 bzw. 3 Prozent gebe es aber riesigen Verbesserungsbedarf. Hier wurde ja in Kärnten bereits ein Maßnahmenkatalog erarbeitet, der laut Mischensky so rasch wie möglich umzusetzen ist. Auf niedrigstem Niveau befinde sich auch die Zustimmung zur „angemessenen Steuerbelastung“ oder zu den Arbeitskosten. In Richtung Bundesregierung merkte Mischensky zwar die in mehreren Stufen beschlossene Senkung der Lohnnebenkosten positiv an, dem müssten aber weitere Entlastungen folgen.

Stabile Industriekonjunktur
"Die Kärntner Industriekonjunktur entwickle sich nach wie vor solide“, fasst die IV-Kärnten-Geschäftsführerin die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage (4. Quartal 2015, Vorschau auf das 1. und 2. Quartal 2016) zusammen. Zwar seien die Betriebe – wohl auch saisonbedingt – nicht ganz so optimistisch wie im Quartal davor, aber immerhin melden 45 Prozent eine gute Auftragslage, bei den Auslandsaufträgen sogar etwas mehr: 51 Prozent. Die Negativmeldungen bewegen sich hier im einstelligen Bereich. Deutlich mehr als die Hälfte der Betriebe (54 Prozent) schätzen die Geschäftslage als gut ein, nur 6 Prozent als schlecht. Lägen diese Werte noch knapp unter denen des Vorquartals, so würden die Verkaufspreise sogar ein wenig besser beurteilt als zuletzt, freut sich Mischensky. Das wirke sich auch positiv auf die Ertragslage aus. Bei den meisten Konjunkturindikatoren dominiere die Einschätzung „gleichbleibend“. Das treffe besonders auf die weiter in die Zukunft zielenden Bewertungen der Ertragssituation bzw. Geschäftslage in 6 Monaten zu. Für eine signifikante Ausweitung der Beschäftigtenstände reiche der konjunkturelle Rückenwind aber momentan nicht aus.

Elektronik und Chemie positiv
Unter den Branchen der Kärntner Industrie stechen laut Mischensky weiterhin die Elektro- und Elektronikindustrie sowie die Chemie positiv hervor. In Kärntens stärkster Branche, der Maschinen- und Metallwarenindustrie, dominieren die gleichbleibenden Einschätzungen ebenso wie in der Stein- und Keramischen Industrie oder beim Holz. Die einzige Branche mit tendenziell eher pessimistischen Aussichten sei die Lebensmittelbranche, komplettierte Mischensky das Bild. Kein Grund jedenfalls, in Katzenjammer auszubrechen, allerdings auch kein Anlass für Euphorie.

An der Umfrage im Jänner 2016 zu den Standortfaktoren haben 56 Unternehmen mit 15.244 Beschäftigten teilgenommen, an der Konjunkturumfrage im 4. Quartal 2015 64 Firmen mit 16.732 Beschäftigten.



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