Gegen den Strom

Die Industrie – Kärntens wirtschaftlicher Lichtblick – behauptet sich im österreichischen Konjunkturvergleich hervorragend. Nun muss endlich auch der öffentliche Sektor konkurrenzfähig werden.

„Die Industrie schwimmt mit kräftigen Zügen gegen den Strom der Kärntner Image- und Finanzkrise“, fasst IV-Kärnten-Präsident Christoph Kulterer die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage (1. Quartal 2015) zusammen. Zwar könne sich auch die Industrie zwischen Karawanken und Tauern nicht vom allgemeinen Reformstau in Bund und Land abkoppeln, man sei aber immerhin deutlich optimistischer als im Österreich-Schnitt. Betrage der Saldo zwischen Positiv- und Negativmeldungen zur aktuellen Geschäftslage bundesweit plus 18 Prozent, so liege er in der Kärntner Industrie mehr als doppelt so hoch bei plus 42 Prozent. Exportstark und international konkurrenzfähig behaupte sich die Industrie am Standort. Das könne man leider vom öffentlichen Sektor in Kärnten nicht sagen, so Kulterer. Trotz extremen Spardrucks im Schulden- und Haftungschaos kämen die nötigen tiefgreifenden Reformen in den Bereichen Verwaltung, Gesundheit und Soziales nicht in die Gänge.
Riesiger Reformbedarf im öffentlichen Bereich
Als Beispiel nannte Kulterer das hartnäckige Festhalten an allen Krankenhausstandorten. Bei der Bettenzahl pro 100.000 Einwohner liege Kärnten 15 Prozent über dem Bundesschnitt, Vorarlberg 22 Prozent darunter (laut Statistik Austria). Daran werde auch die jüngste Reformkosmetik der Gesundheitsreferentin wenig ändern. Ohne Schließungen von Krankenhäusern und einer Reduktion von Überschneidungen in den Kompetenzbereichen wird es mittelfristig nicht gehen. Das Potenzial sei da, die Verantwortlichen sollen endlich aufhören, den Menschen Sand in die Augen zu streuen, wird Kulterer deutlich.
Ähnlich die Situation in der öffentlichen Verwaltung. Hier leiste sich Kärnten im Verhältnis fast dreimal so viele im öffentlichen Dienst Beschäftigte wie Vorarlberg, kritisiert Kulterer. In Kärnten sind es 14,8 Prozent der insgesamt unselbständig Erwerbstätigen, in Vorarlberg nur 5,9 Prozent (laut aktuellem Einkommensbericht des Bundesrechnungshofs).Dass Kärntner Verwaltungsbedienstete im Bundesschnitt am meisten, Beamte am zweitmeisten verdienen, passe da ins Bild. Letztes erschütterndes Detail aus dem Wirtschaftsbericht Kärnten des IHS: Von 1995 bis 2013 sei der Beschäftigtenstand im Kärntner öffentlichen Bereich um fast 52 Prozent gewachsen, jener im Bundesschnitt hingegen nur um 16,4 Prozent. So schmerzlich das auch werde, Kärnten müsse hier dringend die Umkehr schaffen, wolle der Wirtschaftsstandort als ganzer wettbewerbsfähig bleiben, fordert Kulterer.

Konjunkturdaten im Detail
Zurück zur aktuellen Konjunkturumfrage. Etliche Indikatoren untermauern die positive Entwicklung der Kärntner Industrie: 43 Prozent der Industriebetriebe beurteilen die Auftragslage gut, nur 10 Prozent schlecht. Ganz ähnlich übrigens die Werte bei den Auslandsaufträgen. Etwas darunter liegen die Erwartungen für die Produktionstätigkeit in drei Monaten: 36 Prozent sind optimistisch, 18 Prozent pessimistisch. Jedenfalls liegen die Werte hier besser als im letzten Quartal. Problematischer ist hingegen die Beurteilung der Ertragslage. Hier halten sich positive und negative Rückmeldungen (jeweils 11 Prozent) die Waage. Die Erwartungen für das nächste halbe Jahr sind kaum besser. Auch die Verkaufspreise zeichnen kein freundlicheres Bild: 10 Prozent Optimisten, 8 Prozent Pessimisten. Das deutet auf hohen Preisdruck hin. Deshalb wollen auch 20 Prozent ihren Beschäftigtenstand abbauen, nur 12 Prozent neue Mitarbeiter einstellen und 68 Prozent alles gleich lassen.
Der Branchenvergleich zeigt eine durchaus positive Entwicklung in den Bereichen Chemie und Elektronik, eine zwiespältige Situation in Kärntens stärkster Branche, der Maschinen- und Metallindustrie und eine saisonbedingt leicht ansteigende Tendenz im Holzbereich. Etwas besser als zuletzt steht auch die Stein- und keramische Industrie da.  

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