Kärnten als Industrieland positionieren!

54 Prozent der regionalen Wertschöpfung, fast die Hälfte der Erwerbstätigen – die Kärntner Industrie und ihr Umfeld sind der wichtigste Wirtschaftszweig. Höchste Zeit also für eine konsequente Industriepolitik, meinen IV-Kärnten-Präsident Christoph Kulterer und WK-Spartenobmann Alexander Bouvier.
„Positionieren wir uns doch endlich als Industrieland!“, rät Christoph Kulterer, Präsident der Industriellenvereinigung Kärnten, der Kärntner Landesregierung bei einer Pressekonferenz. „Alle Fakten sprechen dafür. Die Kärntner Industrie steht inklusive Dienstleistungen für 54 Prozent der Wertschöpfung im Land, außerdem für fast die Hälfte der Beschäftigten“, zitiert Kulterer die Ergebnisse einer aktuellen Erhebung des Industriewissenschaftlichen Instituts IWI. Bei der Industriedichte liege das Land auf Rang fünf und damit im guten Mittelfeld der österreichischen Bundesländer.
Noch gewaltiger sind übrigens die Investitionen, die von der Industrie ausgelöst werden. Inklusive Dienstleistungen – also im servoindustriellen Sektor, wie ihn das IWI nennt – wurden von der Kärntner Industrie 2013 Bruttoanlageninvestitionen in Höhe von mehr als 2,5 Mrd. Euro gestemmt. Das bedeute übrigens einen Zuwachs von 63 Prozent gegenüber dem Jahr 2009. Wenn das Land aufgrund seiner Schulden- und Haftungsprobleme als Auftraggeber und Investor ausfalle, so Kulterer, dann müsse man eben jenen Bereichen den roten Teppich ausrollen, die aufgrund ihrer Exportstärke am meisten für Wertschöpfung und Beschäftigung sorgen. Die Kärntner Industrie habe im schwierigen Jahr 2014 ein Wachstum von 3,1 Prozent hingelegt, die österreichische hingegen nur eines von 0,9 Prozent.

Konsequente Industriepolitik
Eine weitere Optimierung der Rahmenbedingungen durch Entbürokratisierung von Verfahren, Verbesserung der Infrastruktur (von Straße bis Breitband) ein koordinierendes Industriereferat in der Landesregierung und professionelles Standortmarketing bzw. professionelle Betriebsansiedlung seien nun im Rahmen einer konsequenten Industriepolitik gefragt. Kulterer kritisierte in diesem Zusammenhang das kürzlich veröffentlichte Papier „Strategische Landesentwicklung Kärnten – STRALE 2025“, in dem der Begriff „Industrie“ nicht vorkomme, wohl aber explizit der Tourismus, der 6,5 Prozent zur Wertschöpfung des Landes beitrage, außerdem die Landwirtschaft, deren Anteil zwei Prozent betrage. Während man sich in ganz Europa der Reindustrialisierung verschreibe, weil man ganz genau wisse, dass vor allem sie den Wohlstand sichere, lasse man die Industrie im Konzept „STRALE 2025“ links liegen. Wenn man schon – wie in diesem Konzept vorgeschlagen – ein „Zukunftsbüro“ einrichten wolle, dann solle man dieses vor allem mit technologisch-industriellen Themen aufladen, wurde Kulterer deutlich.

Zwiespältige Konjunktur
Alexander Bouvier, Obmann der Sparte Industrie der WK und Vizepräsident der IV Kärnten, bestätigte Kulterer insoweit, als die Kärntner Industrie viel von dem positiven Elan des Vorjahres ins heurige Jahr mitgenommen habe. So werde etwa im aktuellen dritten Quartal 2015 die Auftragslage deutlich besser beurteilt als im Österreichschnitt. Die Kärntner Industrie melde im Saldo der Positiv- und Negativantworten plus 59 Prozent (von 58 Firmen mit 13.799 Beschäftigten), die österreichische nur plus 43 Prozent (von 412 Firmen mit 261.700 Beschäftigten). Ähnlich sehe es bei der aktuellen Geschäftslage aus: Kärnten plus 56 Prozent, Österreich plus 35 Prozent. In beiden Fällen sind das für Kärnten sogar bessere Werte als im Vorquartal.

Die noch gute Auftragslage könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich andere wesentliche Konjunkturindikatoren ähnlich problematisch entwickeln wie im Österreichvergleich. So seien die zu erzielenden Verkaufspreise im Keller und würden von mehr Unternehmen negativ beurteilt als positiv (Saldo: minus 11 Prozent). Wenig verwunderlich wirke sich das auch auf die Erträge aus und natürlich auch auf die Bereitschaft, neue Mitarbeiter einzustellen. Nur mehr sechs Prozent der Betriebe geben an, sie würden ihren Mitarbeiterstand steigern, dafür 10 Prozent, dass sie beabsichtigen, ihn zu senken.

Der Ausblick auf das kommende Jahr ist laut Bouvier entsprechend getrübt. In einem halben Jahr sehen nur mehr acht Prozent der Betriebe eine bessere Geschäftslage, dafür neun Prozent eine schlechtere. Noch problematischer sehe es bei der Ertragslage in sechs Monaten aus. Der Rationalisierungsdruck steige massiv an. Die Arbeitskosten, vor allem aber die Lohnnebenkosten, müssen laut Bouvier dringend entlastet werden. Als erstes positives Signal wertet er hingegen die Fortschritte, die bei den Metaller-Verhandlungen im Bereich der Flexibilisierung der Arbeitszeit gelungen seien. Damit unterstrich Bouvier auch bundespolitische Anliegen der Industrie.

Innovationsstandort: Dynamik fehlt
Mit seiner Analyse des Innovationsstandorts Kärnten kehrte er auf die Landesebene zurück. Kärnten gehöre zu den Bundesländern mit dem höchsten Anteil an industrieller Forschung und Entwicklung. Umso bedauerlicher sei es daher, dass die Dynamik des Innovationssektors zuletzt stark nachgelassen habe. Bei der Forschungsquote sei Kärnten 2013 hinter Oberösterreich und Tirol auf Rang fünf zurückgefallen. Im Detail zeige sich, dass Kärnten mit einem Zuwachs von neun Prozent zwischen 2011 und 2013 im Bundesländervergleich an letzter Stelle liege. Noch detaillierter betrachtet, fällt Bouvier auf, dass der Anteil der Forschungsausgaben von heimischen Unternehmen von 40,7 im Jahr 2011 auf 38,6 Prozent im Jahr 2013 gesunken ist, während jener der ausländischen Unternehmen von 37,4 auf 38,1 Prozent stieg. Auch der Anteil der öffentlichen Forschungsausgaben ist im Vergleichszeitraum von 20,7 auf 21,8 Prozent gewachsen.
Die Erklärung für die problematische Situation liege in der Abnahme der Forschung & Entwicklung durchführenden Einheiten, so Bouvier. In Kärnten seien es 2013 um 7,2 Prozent weniger gewesen als im Jahr 2011, der zweithöchste Rückgang im Bundesländervergleich hinter Salzburg. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein, es gelte jedoch, die Hindernisse am Weg zur Innovation zu überwinden und die Unternehmen zu motivieren, mehr Projekte zu entwickeln.
Bouvier und Kulterer fordern daher eine Weiterentwicklung des Forschung-Technologie-Innovation-Konzepts des Landes, das zum Großteil bereits abgearbeitet sei. Außerdem wünschen sie sich nach dem Vorbild des Bundes und einiger Bundesländer die Etablierung eines Forschungsrats, der die Politik bei Innovationsfragen unterstützt. Konzeptionelle Überlegungen dazu lägen bereits vor.   

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