Kärntner Industrie: Trotz Kostendruck wettbewerbsfähig

Erfreulich positive Konjunkturdaten: gute Auftragslage bei steigendem Kostendruck und wenig Bewegung am Arbeitsmarkt. Stabile Aussichten.
„Trotz schwieriger Rahmenbedingungen in Kärnten und Österreich hält sich die Kärntner Industrie vorbildlich“, freut sich IV-Kärnten-Präsident Christoph Kulterer in einer Aussendung. Vor allem die Auslandsaufträge wuchsen im zweiten Quartal 2015 gegenüber dem Vorquartal deutlich. 56 Prozent der befragten 63 Betriebe mit 16.774 Beschäftigten melden mehr Aufträge aus dem Ausland, nur 6 Prozent weniger. Das seien die deutlich besten Werte seit dem zweiten Quartal 2010. Dass die positive Auftragslage aber unter teilweise hartem Rationalisierungsdruck erkämpft werden müsse, zeigen laut Kulterer Indikatoren wie die Verkaufspreise. Nur zwei Prozent der Betriebe können steigende Preise am Markt durchsetzen, 10 Prozent müssen die Preise senken.
Das bedeute wenig Chancen, neue Mitarbeiter einstellen zu können, fürchtet der IV-Kärnten-Präsident. Nur neun Prozent der Betriebe haben vor, in den nächsten drei Monaten ihren Beschäftigtenstand zu erhöhen, 4 Prozent wollen ihn sogar senken, alle übrigen planen keine Veränderungen. Auch in der Produktion stehen die Zeichen eher auf „gleichbleibend“. Insgesamt blicken die Industrieunternehmen aber recht zuversichtlich in die Zukunft. In einem halben Jahr schätzen 86 Prozent die Geschäftslage als unverändert und somit stabil ein. Euphorie komme derzeit in der Industrie nicht auf, so Kulterer, aber verglichen mit dem übrigen Zustand des Landes behaupte sich die Industrie ausgezeichnet.
Strukturen bereinigen!
Umso wichtiger sei es, dieses wirtschaftliche Rückgrat Kärntens zu stärken und zu pflegen. Christoph Kulterer meint damit eine Fokussierung der unter dem allgemeinen Spardruck spärlicher verfügbaren Mittel in Zukunftsbereichen. Dazu zählt er Forschung, Innovation und Bildung. Das Land müsse – den Empfehlungen des Wirtschaftsberichts folgend – endlich die Strukturen in kostenintensiven Bereichen der Verwaltung und des Gesundheitswesens bereinigen. Die demografische Entwicklung gebiete dies ebenso wie eine stärkere Konzentration der Wirtschafts- und Innovationsentwicklung auf den Zentralraum.
Und obwohl die Kärntner Industrie insgesamt ein wenig besser dasteht als die österreichische, drücken natürlich auch hier die selben Probleme: die hohen Arbeitskosten und unflexiblen Arbeitszeiten, der Regulierungswahn (z.B. beim Energieeffizienzgesetz!), die zunehmend unberechenbare Gesetzeslage, kurz das Zurückfallen in allen internationalen Rankings der Wettbewerbsfähigkeit.
Die Branchenentwicklung zeigt übrigens ein seit mehreren Quartalen einheitliches Bild. Eine positiv arbeitende Elektronik-, Chemie- und Holzindustrie, dazu zwiespältige Ergebnisse aus dem Maschinen- und Metallsektor. Ein klein wenig besser läuft es nach langer Durststrecke – möglicherweise auch nur saisonbedingt – für die Baubranche.

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