Aufschwung mit Schönheitsfehlern

Aufschwung wirkt sich immer deutlicher auf die Beschäftigung aus. Leider fehlt es an geeigneten Fachkräften. Der Industrie folgend sollte endlich auch die öffentliche Wirtschaft den Strukturwandel vollziehen.

BU (von links): Dr. Claudia Mischensky, Geschäftsführerin IV Kärnten, Christoph Kulterer, Präsident IV Kärnten

“Die gute Nachricht: Der Aufschwung ist inzwischen so stabil, dass fast 40 Prozent der Kärntner Industriebetriebe wieder neue Mitarbeiter einstellen wollen”, freut sich IV-Kärnten-Präsident Christoph Kulterer über die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage vom 3. Quartal 2017. Aber er schränkt gleichzeitig ein: “Die weniger gute Nachricht ist allerdings, dass sie am Arbeitsmarkt kaum noch qualifizierte Fachkräfte finden.” Laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage unter Personalverantwortlichen von IV-Mitgliedsbetrieben melden in Kärnten derzeit 84 Prozent einen leicht bis stark steigenden Bedarf. Das sei also zunehmend der Hemmschuh für Investitionen. Die wichtigste Ressource in der modernen Industrie seien nun einmal gut ausgebildete Mitarbeiter, so Kulterer. Davon sei leider nicht nur Kärnten betroffen. In den angrenzenden Bundesländern sehe es nicht viel besser aus.

Die Situation habe sich noch dadurch verschärft, dass mit Investitionen oft auch ein Technologiesprung einhergehe, so Kulterer. Da stoße man dann nicht nur an die Grenzen des Arbeitsmarkts, sondern auch an jene des Bildungssystems, das sich zu langsam an die Anforderungen einer digitalen Wirtschaft anpasse. Dass man hier auch regional entsprechende Initiativen setzen solle, empfehle der aktuelle Wirtschaftsbericht des Landes Kärnten eindringlich. Es betreffe die niedrige Akademikerquote genauso wie strukturelle Verbesserungen in der Lehrlingsausbildung.

IV-Kärnten-Geschäftsführerin Claudia Mischensky setzte mit den übrigen sehr erfreulichen Konjunkturdaten fort: “Die Auftragslage pendelt sich auf hohem Niveau ein. Rund zwei Drittel der Kärntner Industriebetriebe melden steigende (Auslands)- Aufträge, sogar fast drei Viertel eine verbesserte Geschäftslage”. Einzig die Verkaufspreise könnten nicht mehr ganz mit der steigenden Nachfrage mithalten. Da hinke der Trend leicht hinter dem Vorquartal her. Im Branchenvergleich gebe es nur graduelle Unterschiede in der Beurteilung. In der Stein- und Keramischen Industrie etwa, sei man derzeit etwas weniger optimistisch als in der Elektronikbranche. Letztere sei ja beim Produktionswert im Vorjahr um fast 29 Prozent gewachsen, ein bisher nie erreichter Zuwachs. Der gesamte Produktionswert der Sachgüter-erzeugung sei im Vorjahr laut Wirtschaftsbericht um 6,5 Prozent gewachsen, mehr als acht Mal so stark wie im Österreichvergleich.

Kärnten ist High-Tech

Diesem Muster folge laut Mischensky auch die Beschäftigtenentwicklung – und zwar auf ganz besonders erfreuliche Weise: “Wir arbeiten sehr erfolgreich am Strukturwandel. Während die Beschäftigung in Branchen mit erheblichem oder hohem Technologiegehalt um 3,9 bzw. 4,8 Prozent wuchs, sank sie in Niedrigtechnologiebereichen um 1,7 Prozent.” Auch da liege Kärnten besser als der Bundesschnitt. Kärnten hat laut WIFO den höchsten Anteil an High-Tech-Beschäftigten aller Bundesländer.

Den positiven industriellen Einfluss auf die Wirtschaftsdaten könne man laut Mischensky in vielen Bereichen zeigen. So sei Kärnten im Vorjahr das Land mit der dritthöchsten Steigerung bei den Exporten gewesen. Dank des hohen Anteils der betrieblichen Forschung habe sich das Bundesland auch im aktuellen Vergleich der Forschungsquoten (Anteil der Forschungsausgaben am regionalen BIP) hinter Steiermark, Wien und Oberösterreich wieder an die vierte Stelle vorgearbeitet. Einen ähnlich positiven Strukturwandel vermisse man im öffentlichen Bereich leider. So sehr man die Bewältigung der Heta-Krise loben könne, die Reformaktivitäten in anderen Bereichen hätten sich in Kärnten in dieser Legislaturperiode in sehr engen Grenzen gehalten.

Strukturreformen vorantreiben!

IV-Kärnten-Präsident Kulterer zitierte hier wieder den Wirtschaftsbericht: “Die Autoren verlangen angesichts der enorm gestiegenen Schuldenlast eine noch entschiedenere, mutige Politik der Strukturreformen und der verbesserten Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes”. Ein nur um ein Prozent höheres Zinsniveau koste das Land beim derzeitigen Schuldenstand um 30 bis 40 Mio. Euro mehr pro Jahr, so Kulterer. Der Wirtschaftsbericht spreche ganz klar jene Budgetbereiche an, in denen Effizienzpotenziale gehoben und Doppelgleisigkeiten abgebaut werden müssten: Personal, Verwaltung, Gesundheit und Soziales. Und er spreche noch eines ganz klar an: “Mehr Transparenz und Vergleichbarkeit würde das Realisieren dieser Effizienzpotenziale enorm erleichtern”, zitiert Kulterer. Was man aus den derzeit möglichen Vergleichen lernen könne, sei folgendes: “Bei gleichzeitig höchster Pro-Kopf-Verschuldung aller Bundesländer leistet sich Kärnten immer noch einen weit über dem Österreichschnitt liegenden Anteil von 18,2 Prozent der Beschäftigten in öffentlicher Verwaltung und Sozialversicherung an der Gesamtbeschäftigung.” Das sei angesichts der prekären finanziellen Lage nicht zu rechtfertigen. Kärnten müsse – und auch das rät der Wirtschaftsbericht – Mittel für Zukunftsinvestitionen reservieren. Dazu müssten auch die Verfahren dringend vereinfacht werden, um Investitionen zu erleichtern, fordert Kulterer. Gerade in Zeiten wie diesen bestünden große Chancen, geschickt in Schwerpunktbereichen Wertschöpfungsketten zu schließen und das bestehende System aus Industrie, Technologie und Forschung zu stärken. 

 

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Gilbert Waldner

Öffentlichkeitsarbeit, Infrastruktur, Innovation, Industriellenvereinigung Kärnten

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