Vom Aufholen zum Überholen

Am Ende seiner Präsidentschaft in der IV Kärnten appelliert Christoph Kulterer an die Landesregierung, Gas zu geben, um aus dem wirtschaftlichen Aufholen ein Überholen zu machen. Der konjunkturelle Rückenwind bläst weiter stark.

 

“Mitte Juni läuft meine sechsjährige Zeit als Präsident der IV Kärnten aus”, informierte Christoph Kulterer die Medien in einer Pressekonferenz am 14. Mai. Er habe sich nach zwei Perioden entschieden, nicht noch ein drittes Mal zu kandidieren. Sein Unternehmen Hasslacher Norica Timber sei in den letzten Jahren enorm gewachsen und erfordere viel persönlichen Einsatz, begründete Kulterer seine Entscheidung. Es sei eine spannende Zeit gewesen, in der sich in Kärnten viel verändert habe. Er freue sich vor allem, dass er für eine gewisse Änderung des Mindsets im Land mitverantwortlich gewesen sei. Mitten in der Heta-Krise habe er dem depressiven Dreiklang aus Arbeitslosigkeit, Abwanderung und Armut das Triple-I aus Investition, Internationalität und Innovation entgegengesetzt, das von der Landesregierung aufgenommen worden sei und nun sogar im aktuellen Regierungsprogramm stehe.

Triple I heißt Industrie

Dass das aus Sicht der Industrie keine leeren Versprechungen sind, bewies er anhand konkreter Zahlen. Der Produktionssektor sei im Jahr 2016 achtmal so stark gewachsen wie der österreichische Schnitt, 2017 laut den bisher für die ersten drei Quartale vorliegenden Zahlen immer noch doppelt so stark. Keine andere Kärntner Branche habe in den vergangenen Jahren eine derartige Performance gezeigt. Die Innovation hängt in Kärnten vor allem an den Betrieben und an der Industrie. Ihr Anteil an den Forschungsausgaben betrage laut Kulterer schon 79 Prozent. Damit wurde bei der Forschungsquote (Anteil der Forschungsausgaben am regionalen BIP) auch wieder der Sprung auf Platz vier im Bundesländervergleich geschafft. Letztes Indiz für Kulterer ist der boomende und vor allem von der Industrie getragene Export. Nach dem Superjahr 2016 konnten die Exporte im ersten Halbjahr 2017 wieder um über acht Prozent gesteigert werden.

“Wer sich diese Entwicklung genauer ansieht, wird bemerken, dass die industriellen Leitbetriebe einen besonderen Anteil an dieser Entwicklung haben”, führte der IV-Kärnten-Präsident weiter aus. Deshalb begrüße er etwa die Ankündigungen der neuen Landesregierung sehr, Infineon Technologies Austria beim angekündigten großen Investitionsprojekt massiv zu unterstützen. Das betreffe hier nicht nur die Beschleunigung von Verfahren, sondern auch Infrastruktur wie Wohnungen für neue Mitarbeiter oder Kinderbetreuungseinrichtungen.

Vom Aufholen zum Überholen

Allerdings dürfe Infineon hier kein Einzelfall bleiben, so Kulterer. Alle Kärntner Unternehmen müssten in den Genuss solcher Unterstützungen kommen. “Nur so wird es gelingen, aus dem derzeitigen Aufholen des Standorts ein Überholen zu machen”, stellt Kulterer klar. Regierungsprogramm hin oder her, vor allem in zwei Bereichen müsse sich Kärnten sehr rasch völlig neu aufstellen:

  • Der erste Bereich seien die Verfahren: Da blieben Millioneninvestitionen liegen, weil Verwaltung und Behörden kaum entscheidungsfähig seien. Und das nicht nur wegen fehlender Ressourcen, um die Verfahren in konkurrenzfähiger Frist zu einem Ende zu bringen. Der angekündigte Entbürokratisierungsmasterplan und die Wirtschafts-Ombudsstelle seien positive erste Schritte. Aber hier sei echte Managementqualität bei der Neuordnung und vor allem Tempo gefragt.
  • Der zweite Bereich sei das Standortmarketing: Kärnten wirke bisher wenig einladend für junge Talente im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Der Industrie-, Technologie- und Innovationsstandort sei in der öffentlichen Wahrnehmung unterbelichtet. Deshalb hätte die IV Kärnten ja in ihrem Zukunftsprogramm ein eigenes Referat dafür in der Landesregierung gefordert, so Kulterer. Jetzt sei der Schwerpunkt zumindest nur auf zwei Regierungsmitglieder verteilt und die Industrie als eigene Zuständigkeit genannt. Nun müsse an einem neuen Leitbild, an der Alleinstellung und am Image gearbeitet werden. Eine eigene Standortagentur, die laut IV am besten gleich organisatorisch – und natürlich finanziell entsprechend aufgestockt – auf der bestehenden Kärnten-Werbung aufgesetzt werden sollte, wäre dann für die Bewerbung des Industrie-, Bildungs-, Forschungs- und Tourismuslandes zuständig. Es gebe so viele großartige Synergien zwischen diesen Bereichen, ist Kulterer überzeugt. Davon könne Kärnten nur profitieren. Dieser Weg sei alternativlos, wenn man die Abwanderung stoppen und Talente für das Land begeistern wolle.

Industrie trägt den Aufschwung

“Die Industriekonjunktur entwickelt sich nach wie vor sehr gut”, fasst IV-Kärnten-Geschäftsführerin Claudia Mischensky schließlich die Ergebnisse der letzten Umfrage (1. Quartal 2018) zusammen. Trotz schon hervorragender Ergebnisse in den vergangenen Quartalen meldet immer noch die Hälfte aller Unternehmen steigende Tendenz bei der Auftragslage. Jetzt sei das auch bei der Produktionstätigkeit angekommen. Die Zahl jener Unternehmen, die hier Zuwächse melden, habe sich gegenüber dem Vorquartal auf 36 Prozent verdoppelt. Immer noch fast ein Viertel der Betriebe prognostiziert steigende Beschäftigtenzahlen. Die Euphorie habe insgesamt ein wenig nachgelassen, so Mischensky. Die Positivmeldungen hätten sich etwas in Richtung “gleichbleibend” verschoben.

Auffällig sei aber jedenfalls, dass kaum ein Betrieb bei irgendeinem der Indikatoren Rückgänge registriere. Es handle sich offensichtlich um einen sehr breit getragenen Aufschwung. Das zeigten auch die Detailergebnisse der Branchen, so Mischensky. Wenn man irgendwo Anzeichen für etwas vorsichtigere Einschätzungen suchen wolle, dann bei der Ertragslage und hier etwa in der chemischen Industrie. Ansonsten entwickle sich das Jahr 2018 bisher sehr positiv für die Kärntner Industrie, meint die Geschäftsführerin der IV Kärnten. Die Aussage von IV-Generalsekretär Christoph Neumayer, dass die österreichische Industrie in ihrer sektoralen Breite derzeit 70 Prozent der wirtschaftlichen Expansion im Inland trage, sei für Kärnten in dieser Größenordnung wahrscheinlich noch untertrieben.

Kontakt

Gilbert Waldner

Öffentlichkeitsarbeit, Infrastruktur, Innovation, Industriellenvereinigung Kärnten

T +43 463 56615 16
gilbert.waldner@iv.at


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