Stagnation ist keine Strategie

Die Inflation ist hoch, das Vertrauen ist niedrig, und die Geduld bei vielen aufgebraucht. 2025 wurde auf Sicht regiert. Man wollte keine großen Fehler machen und ließ deshalb leider auch keine großen Ideen zu. Das ist Stagnation. Aber vielleicht wird 2026 das Jahr, in dem sich Dinge ändern, in dem klar wird, dass etwas Neues entstehen muss. Steigende Lohnkosten, sinkende Wettbewerbsfähigkeit, schwache Auslandsimpulse - Österreich steckt in der längsten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Deindustrialisierung passiert nicht irgendwann, sie passiert jetzt. Investitionen brechen ein, Spielräume schrumpfen, Arbeitsplätze gehen verloren.

Und während andere handeln, diskutieren wir. Ein zentraler Standortnachteil ist die Kostenlast: höchste kaufkraftbereinigte Arbeitskosten im OECD-Vergleich, Rekorde bei Steuern und Abgaben, Sozialausgaben europäische Spitze. Das ist auf Dauer nicht finanzierbar, weder für Betriebe noch für kommende Generationen. Es braucht dringend Reformen in allen Bereichen. Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.

Besonders fatal ist die Energiefrage. Deutschland dämpft Stromkosten ab sofort mit einem Milliardenpaket und finanziert Netze aus dem Budget. In Österreich zahlen Betriebe die Energiewende weiter über die Rechnung. Die Regierung spricht über einen Industriestrompreis ab 2027. Ja, es gibt mit der Industriestrategie erste Signale. Was wir brauchen, ist Tempo. Denn ohne wettbewerbsfähige Industrie gibt es kein Wachstum, keinen Wohlstand und am Ende auch keinen Sozialstaat, den wir uns leisten können.

Und trotzdem gilt: Wir können mehr, als wir uns derzeit zutrauen. Unsere Industrie bildet aus, forscht, exportiert, und das tagtäglich unter härtesten Bedingungen. Kärnten lebt von dieser Leistung. Was jetzt zählt, ist ein klarer Kurs, insbesondere mit einer sicheren Energieversorgung, technologieoffen gedacht. Dazu gehört auch die 380-kV-Leitung. Sie ist keine Option, sondern Voraussetzung. Es braucht politischen Mut, klare Prioritäten und entschlossenes Handeln.