380-kV-Leitung: Schlüsselprojekt für Kärntens Industrie-Zukunft

Sieben Kärntner Industrie-Leitbetriebe mit mehr als 10.000 Arbeitsplätzen betonen die Bedeutung einer stabilen Energieinfrastruktur für Wettbewerbsfähigkeit, Dekarbonisierung und Investitionen.

Kärnten ist ein Industrieland und genau darin liegt seine wirtschaftliche Stärke. Gleichzeitig steht die Industrie vor tiefgreifenden Veränderungen. Sieben führende Industrieunternehmen machen im Rahmen einer Pressekonferenz der Industriellenvereinigung Kärnten deutlich: Der Ausbau der Stromnetzinfrastruktur, insbesondere der 380-kV-Leitung, ist eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Dekarbonisierung und langfristige Standortentwicklung.

Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der IV Kärnten, ordnete in ihrem Eingangsstatement die Bedeutung der Industrie für das Bundesland ein. „59 Prozent der Wertschöpfung stammen aus der Industrie, mehr als 100.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt davon ab“, betonte sie. Gleichzeitig verwies sie auf die aktuellen Herausforderungen: steigender Energiebedarf, internationaler Wettbewerb und die Transformation hin zu klimafreundlicher Produktion. „Eine leistungsfähige Energieinfrastruktur ist daher keine Option, sondern Voraussetzung für die Zukunft unseres Standorts.“ Der Netzraum Kärnten und damit die 380-kV-Leitung ist ein Kooperationsprojekt von Austrian Power Grid (APG) und Kärnten Netz, und kein Einzelprojekt, sondern Teil eines europäischen Gesamtsystems: „Es geht um Investitionen, Arbeitsplätze und den Industriestandort Kärnten.“ 

Wie entscheidend eine stabile Stromversorgung für moderne Industrieprozesse ist, verdeutlichte anschließend Thomas Reisinger, Vorstand für Operations Infineon Technologies AG: „Moderne Mikroelektronik-Fertigung beginnt nicht im Reinraum, sondern auch bei einer stabilen und verlässlichen Energieversorgung. In der Chip-Produktion ist Netzqualität ein zentraler Produktionsfaktor – selbst kurze Spannungsschwankungen können erhebliche Schäden verursachen. Eine leistungsfähige 380‑kV‑Leitung schafft die notwendige Netzstabilität und Redundanz, um Versorgungssicherheit für Industrie, Bevölkerung und kritische Infrastruktur zu gewährleisten. Gleichzeitig ist sie ein entscheidender internationaler Wettbewerbsfaktor: Für High‑Tech‑Investitionen sind Netzstabilität, Skalierbarkeit und Ausfallsresilienz wesentliche Faktoren. Der Ausbau der Höchstspannungsinfrastruktur ist damit Voraussetzung für Wachstum, Arbeitsplätze und europäische technologische Souveränität.“  

Auch in der energieintensiven Grundstoffindustrie sind stabile Rahmenbedingungen unerlässlich. Christoph Stock, Leiter des RHI-Standortes in Radenthein, schilderte die unmittelbaren Auswirkungen von Netzschwankungen: „In unseren Hochtemperaturöfen werden Rohstoffe bei extremen Temperaturen verarbeitet. Wenn es zu Schwankungen im Stromnetz kommt, können Anlagen instabil werden oder herunterfahren. Das führt zu Produktionsunterbrechungen, Qualitätsverlusten und teilweise langanhaltenden Ausfällen.“ Für energieintensive Betriebe sei eine verlässliche Energieversorgung daher ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. „Die 380-kV-Leitung ist kein Infrastrukturprojekt, sie ist eine Investition in die industrielle Zukunft unseres Bundeslandes.“ 

Im Kontext der Transformation hin zu klimafreundlicher Produktion rückt der steigende Strombedarf zunehmend in den Fokus. Lutz Weber, Geschäftsführer von Alpacem, verwies auf die Dimension dieser Entwicklung: „Die Industrie steht vor einer der größten Veränderungen ihrer Geschichte. Denn mit der Elektrifizierung von Produktionsprozessen oder dem Einsatz von neuen Technologien, die für die grüne Transformation notwendig werden, steigt der Strombedarf massiv.“ Entscheidend sei dabei nicht nur die Erzeugung von Energie, sondern auch deren Verfügbarkeit am richtigen Ort. „Es reicht nicht nur, Strom zu erzeugen, er muss auch zuverlässig und in ausreichender Menge dort ankommen, wo er gebraucht wird. Die Netzinfrastruktur ist deshalb das Rückgrat der industriellen Transformation, ohne sie gibt es keine Elektrifizierung, keine Dekarbonisierung, keine regionalen Baustoffe und keine wettbewerbsfähige Industrie.“ 

Wie sensibel hochpräzise Produktionsprozesse auf Störungen reagieren, zeigte Wolfgang Warum, Geschäftsführer der Wild GmbH, anhand konkreter Beispiele aus der Praxis. In der hochpräzisen Fertigung könnten bereits geringste Spannungsschwankungen weitreichende Folgen haben. „Die optische Messtechnik erfordert oft lange Kalibrierzyklen. Schon kleine Störungen können dazu führen, dass Maschinen stoppen oder Kalibrierprozesse neu gestartet werden müssen. Das verursacht Produktionsunterbrechungen, Mehrkosten und im schlimmsten Fall Ausschuss.“ Für international tätige Unternehmen wie Wild sei eine stabile Energieversorgung daher eine Grundvoraussetzung: „Die Anforderungen werden regelmäßig in Audits überprüft und entscheiden darüber, ob wir Aufträge überhaupt erhalten.“ 

Auch aus Sicht global agierender Konzerne spielt die Energieinfrastruktur eine zentrale Rolle. Martin Reiner, Geschäftsführer von Flex Althofen, verwies im Rahmen der Pressekonferenz auf den internationalen Standortwettbewerb: „Produktionsstandorte in Österreich stehen im Wettbewerb mit Regionen in Europa, Amerika und Asien. Eine verlässliche und leistungsfähige Energie- und Netzinfrastruktur ist die Grundlage dafür, dass industrielle Wertschöpfung hier langfristig möglich bleibt.“ Bereits kurzfristige Spannungseinbrüche im Stromnetz könnten automatisierte Prozesse unterbrechen, unter hoher Last zu erhöhtem Verschleiß oder Schäden führen und erhebliche Folgekosten verursachen. 

Dass selbst Unternehmen mit eigener Energieerzeugung auf ein stabiles Netz angewiesen sind, unterstrich Günter Gigacher, CTO der Hasslacher Holding. „Eigene Stromproduktion kann ein stabiles Netz unterstützen, aber sie kann es nicht ersetzen“, stellte er klar. Die Produktion sei auf eine kontinuierliche Energieversorgung angewiesen, die nur im Zusammenspiel mit einem leistungsfähigen Netz gewährleistet werden könne. „Ohne leistungsfähiges Netz gibt es keine zukunftsfähige Industrie in Kärnten.“ Eine leistungsfähige Netzinfrastruktur sei die Grundvoraussetzung dafür, dass Hasslacher langfristig investiere und die Standorte weiterentwickeln könne.  

Zum Abschluss fasste René Haberl, Vorstand der Treibacher Industrie AG, die zentralen Aussagen zusammen und richtete im Namen aller einen klaren Appell an die Politik. „Eine leistungsfähige Energieinfrastruktur ist die Grundvoraussetzung für die Zukunft der Industrie in Kärnten. Billiger Strom hilft uns nichts, wenn er Kärnten nicht erreicht“, so Haberl. Der Ausbau der Netzinfrastruktur und damit die Errichtung der 380-kV-Leitung sei daher eine strategische Standortentscheidung: „Die Infrastruktur entscheidet, ob die Technologien der Zukunft hier in Kärnten entstehen, oder anderswo.“ Sein Fazit: „Dieses Projekt ist ausschlaggebend dafür, dass Industrie, Investitionen und damit tausende Arbeitsplätze auch in Zukunft in Kärnten bleiben.“ 

Die Botschaft der Kärntner Industrie ist damit klar: Der Ausbau der 380-kV-Leitung ist kein technisches Detail, sondern eine grundlegende Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, Klimatransformation und Beschäftigung. Ohne leistungsfähige Netzinfrastruktur drohen Investitionsrückgänge und Standortverluste – mit ihr hingegen eröffnen sich neue Chancen für Innovation, Wachstum und eine nachhaltige industrielle Zukunft in Kärnten. 

Kurzüberblick der beteiligten Unternehmen 

Die Pressekonferenz brachte sieben zentrale Industriebetriebe in Kärnten zusammen, die gemeinsam für mehr als zehntausend Arbeitsplätze sowie erhebliche Investitionen im Bundesland stehen und unterschiedliche Branchen der industriellen Wertschöpfung repräsentieren. 

Infineon Technologies Austria AG steht als international führender Halbleiterhersteller für Hightech-Produktion auf höchstem Niveau. Am Standort Villach werden komplexe Mikroelektroniklösungen entwickelt und gefertigt, deren Produktion besonders sensibel auf Netzstabilität reagiert und höchste Anforderungen an eine unterbrechungsfreie Energieversorgung stellt. 

RHI Magnesita am Standort Radenthein repräsentiert die energieintensive Grundstoffindustrie. In kontinuierlich betriebenen Hochtemperaturprozessen werden feuerfeste Materialien hergestellt. Diese Produktion ist in besonderem Maß auf eine stabile und konstante Energieversorgung angewiesen, da bereits kurzfristige Störungen weitreichende Auswirkungen auf Qualität und Anlagenbetrieb haben können. 

Alpacem ist Marktführer für Zement, Beton und Rohstoffe im Alpe-Adria Raum und steht exemplarisch für die industrielle Transformation in Richtung klimafreundlicher Produktion. Die zunehmende Elektrifizierung und neue Technologien führen hier zu einem deutlich steigenden Energiebedarf, wodurch eine leistungsfähige Netzinfrastruktur zur zentralen Voraussetzung für Dekarbonisierung und Innovation wird. 

Die Wild GmbH ist auf hochpräzise industrielle Fertigung spezialisiert und arbeitet für internationale Kunden mit höchsten Qualitätsanforderungen. Produktionsprozesse wie optische Messtechnik und Kalibrierung reagieren äußerst empfindlich auf Spannungsschwankungen, weshalb eine stabile Stromversorgung eine grundlegende Voraussetzung für Qualitätssicherung und Wettbewerbsfähigkeit darstellt. 

Flex Althofen, Teil eines global agierenden Elektronikkonzerns, steht für hochautomatisierte Elektronikfertigung unter internationalen Wettbewerbsbedingungen. Der Standort ist in globale Lieferketten eingebunden, wodurch die Verfügbarkeit einer stabilen Energie- und Netzinfrastruktur eine zentrale Rolle bei Standortentscheidungen und langfristiger Produktionssicherung spielt. 

Die Hasslacher Gruppe verbindet industrielle Holzverarbeitung mit eigener Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft und Biomasse. Trotz dieser Eigenerzeugung bleibt das Unternehmen auf ein leistungsfähiges Stromnetz angewiesen, um Produktionsschwankungen auszugleichen und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. 

Die Treibacher Industrie AG ist ein international tätiges Chemieunternehmen mit Fokus auf innovative Materialien und Spezialprodukte. Als energieintensiver Industriebetrieb steht das Unternehmen exemplarisch für die Bedeutung einer stabilen Energieversorgung als Grundlage für Investitionen, technologische Entwicklung und die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen.