Cybersicherheit als strategische Unternehmensaufgabe

Cyberangriffe werden professioneller, schneller und schwerer erkennbar. Welche Herausforderungen sich daraus für Unternehmen ergeben und wie sie ihre Widerstandsfähigkeit stärken können, stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „Cybersecurity in Österreich 2026“ der Industriellenvereinigung Kärnten und der KPMG am 6. Oktober im Lakesidepark. Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung. Nach der Begrüßung durch IV-Vize-Generalsekretärin und IV-Kärnten-Geschäftsführerin Claudia Mischensky, KSÖ-Kärnten-Präsident Hannes Kuschnig und Oliver Preiss, Partner bei KPMG Austria, standen die aktuelle Bedrohungslage, regulatorische Entwicklungen und konkrete Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis im Fokus.

Cyberbedrohungen nehmen an Komplexität zu

Robert Lamprecht, Partner bei KPMG Austria, präsentierte die zentralen Ergebnisse der mittlerweile elften Ausgabe der KPMG/KSÖ-Cybersecurity-Studie. Diese verdeutlicht, wie dynamisch sich das Bedrohungsbild verändert und vor welchen Herausforderungen heimische Unternehmen stehen. Besonders im Fokus stehen unter anderem die Automobilindustrie, der Tourismus, die Energie- und Lebensmittelwirtschaft und die Konsumgüterindustrie. Rund 50 Prozent der Cyberangriffe werden der organisierten Kriminalität zugerechnet. Gleichzeitig wird es zunehmend schwieriger, die Herkunft von Angriffen nachzuvollziehen: Bei 63 Prozent der Vorfälle konnte diese nicht eindeutig festgestellt werden, im Vorjahr lag der Anteil noch bei 43 Prozent.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Rolle der Künstlichen Intelligenz, die neue Möglichkeiten eröffnet, gleichzeitig aber auch Cyberangriffe beschleunigt und deren Erkennung erschwert. Diskutiert wurden zudem die aktuellen regulatorischen Anforderungen, insbesondere das NISG 2026, sowie die wachsende Bedeutung digitaler Souveränität. Technologische Abhängigkeiten und die Fähigkeit, die eigene digitale Infrastruktur sicher und selbstbestimmt zu gestalten, werden zunehmend zu strategischen Fragen für Unternehmen.

Wenn aus einem Risiko Realität wird

Wie entscheidend eine gute Vorbereitung im Ernstfall sein kann, zeigten Patrick Bardel, CEO der BPN Group GmbH, und Harald Klary, Leiter Informationstechnologie der Kärntner Landesversicherung, anhand eines realen Cyberangriffs.

Unter dem Titel „Von der Studie zur Wirklichkeit“ rekonstruierten sie einen Vorfall vom 9. März 2024, der um 9:07 Uhr seinen Ausgang nahm. Sie gaben Einblicke in den Ablauf des Angriffs, seine Auswirkungen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse. Das Praxisbeispiel verdeutlichte, wie wichtig es ist, sich frühzeitig mit möglichen Bedrohungsszenarien auseinanderzusetzen, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und für den Ernstfall vorbereitet zu sein.

Cybersicherheit ist eine strategische Unternehmensaufgabe

Die Veranstaltung machte deutlich, dass Cybersicherheit längst nicht mehr ausschließlich eine technische Frage ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Angesichts wachsender digitaler Abhängigkeiten und neuer Bedrohungen gewinnen Prävention, organisatorische Vorbereitung und digitale Souveränität weiter an Bedeutung.

In der anschließenden Diskussion hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, Fragen zu stellen, Erfahrungen auszutauschen und aktuelle Herausforderungen zu beleuchten. Der gemeinsame Austausch unterstrich die Bedeutung der Vernetzung von Wirtschaft und Sicherheitsexperten, um Unternehmen für die digitalen Herausforderungen der Zukunft zu stärken.