Fachkräfte heute. Standort morgen: Kärnten braucht Zuversicht, Bildung und gemeinsame Lösungen

Wie kann Kärnten auch in Zukunft ein wettbewerbsfähiger Industrie- und Arbeitsstandort bleiben? Dieser Frage widmete sich Dienstagabend die Mitgliederversammlung der Industriellenvereinigung Kärnten in der BKS Bank in Klagenfurt mit rund 130 Gästen. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie, Politik und Arbeitsmarkt diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Auswirkungen des demografischen Wandels in Kärnten, den zunehmenden Fachkräftebedarf und konkrete Lösungsansätze für die Zukunft des Standorts Kärnten.
IV-Kärnten-Präsident Timo Springer betonte dabei die Notwendigkeit, den aktuellen Herausforderungen mit Zuversicht und Gestaltungswillen zu begegnen: „Die demografische Entwicklung ist keine Überraschung, sondern eine Herausforderung, die seit Jahren absehbar ist. Deshalb dürfen wir nicht darauf warten, dass sich Probleme von selbst lösen.“ Entscheidend seien nun Investitionen in Bildung, Qualifizierung und Innovation sowie die frühe Begeisterung junger Menschen für Technik, Naturwissenschaften und digitale Kompetenzen. Gleichzeitig verwies Springer auf das breite Engagement der Kärntner Industrie, die bereits heute durch Lehrlingsausbildung, Kooperationen mit Bildungseinrichtungen und zahlreiche Initiativen zur Förderung von Technik- und Digitalkompetenzen Verantwortung übernehme.
Für IV-Kärnten-Geschäftsführerin Claudia Mischensky steht fest, dass die Sicherung von Fachkräften nur gemeinsam gelingen kann. „Diese Herausforderungen kann niemand allein lösen. Es braucht das Zusammenspiel vieler Akteure, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten“, so Mischensky. Veranstaltungen wie diese würden den Austausch zwischen Industrieunternehmen, Banken, Dienstleistern, Bildungs- und Arbeitsmarktinstitutionen fördern und damit neue Kooperationen und Lösungsansätze ermöglichen.
Landeshauptmann Daniel Fellner betonte in seiner Rede, dass Kärnten ein Industrieland ist. Und wenn es darum gehe, den Wirtschaftsstandort zu stärken, brauche es auch den Mut, Entscheidungen zu treffen. Zu überlegen sei außerdem eine eigene Industriestrategie für Kärnten. In Bezug auf das Thema Bildung unterstrich Fellner im Rahmen der Diskussion, dass es wichtig sei, in Qualifizierungsmaßnahmen zu investieren.
IV-Österreich-Präsident Georg Knill betonte, dass der Arbeits- und Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen für den Industriestandort Österreich ist. Aufgrund des demografischen Wandels hat die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ihren Höchststand („Peak Labour“) bereits 2024 erreicht und wird künftig zurückgehen. Gleichzeitig fehlen ausreichend MINT-Absolventinnen und -Absolventen sowie qualifizierte Zuwanderungskräfte. Als zentrale Antwort darauf hob Knill die Stärkung der beruflichen Bildung hervor. Die Industrie investiere stark in die Lehrlingsausbildung und bilde österreichweit rund 14.000 Lehrlinge aus. Die Industriellenvereinigung fordert eine langfristige Fachkräftestrategie mit einem stärkeren Fokus auf Bildung, MINT-Ausbildung, berufliche Qualifizierung, Weiterbildung und qualitätsorientierte Zuwanderung. Gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden als entscheidender Erfolgsfaktor für Innovation, Forschung und industrielle Wettbewerbsfähigkeit angesehen, so Knill.
Markus Schmitz, Bundesagentur für Arbeit, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern, beschrieb in seinem Impuls die Herausforderungen des bayerischen Arbeitsmarkts im Spannungsfeld von Rezession, demografischem Wandel, Digitalisierung und Transformation. Trotz schwacher Konjunktur bleibe der Fachkräftebedarf hoch, während bei Helfertätigkeiten ein Überangebot an Arbeitskräften erwartet wird. Als Antwort verfolgt die Bundesagentur für Arbeit eine „Doppelstrategie“: Einerseits sollen inländische Potenziale durch Ausbildung, Weiterbildung, höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, Älteren und Quereinsteigern aktiviert werden. Andererseits wird die Erwerbsmigration systematisch ausgebaut, da das Beschäftigungswachstum in Bayern seit einigen Jahren vor allem von ausländischen Arbeitskräften getragen wird. Zentrale Erfolgsfaktoren sind Qualifizierung, gezielte Fachkräftegewinnung aus dem Ausland, schnellere Anerkennungsverfahren, Sprachförderung sowie eine bessere Integration von Migrantinnen und Migranten in Arbeitsmarkt und Gesellschaft.
In der anschließenden Diskussion mit Moderatorin Ute Pichler ging es um die Fragestellung, wer angesichts der schrumpfenden Bevölkerung in Kärnten 2040 noch die Arbeit machen wird. „Wir müssen gezielt überlegen, wo wir die Fachkräfte herbekommen und qualifizierte Zuwanderung vereinfachen“, erklärte Springer. „Es ist ein beinharter Kampf um Talente. Wir müssen Fachkräfte systematisch nach Österreich holen“, ergänzte Knill. „Wenn wir Fachkräfte aus dem Ausland wollen, müssen wir unsere Energien bündeln“, so Peter Wedenig, Geschäftsführer des AMS Kärnten. Sabine Herlitschka, Vizepräsidentin der IV Österreich und IV Kärnten und CEO der Infineon Technologies Austria AG betonte, wie wichtig in Bezug auf internationale Fachkräfte das Umfeld sei – ein internationaler Kindergarten, eine internationale Schule und Dual Career Packages. Springer appellierte in dem Zusammenhang an das Land Kärnten, die International School Carinthia (ISC) entsprechend zu unterstützen. Generell, so Herlitschka, seien Bildung und Qualifikation wesentliche Hebel, wenn es um die Fachkräfte der Zukunft gehe. „Und wir müssen Studierenden Arbeitsplätze in Kärnten anbieten.“ Zum Thema KI herrschte Einigkeit, dass sie Veränderungen bringt, aber auch Möglichkeiten und neue, wenn auch andere Arbeitsplätze.

