Fachkräftemangel als zentrale Herausforderung für den Industriestandort Kärnten

Kärnten steht vor großen Herausforderungen am Arbeitsmarkt: Der Fachkräftemangel entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Zukunftsthema. Im Rahmen der Mitgliederversammlung der IV Kärnten wurde daher intensiv über Lösungen diskutiert mit klaren Ansätzen und konkreten Vorschlägen aus Politik, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft. Einigkeit herrschte darüber, dass es jetzt gemeinsame, lösungsorientierte Maßnahmen braucht.

Bildungslandesrat Peter Reichmann betonte in seinem Statement die Notwendigkeit eines engeren Schulterschlusses zwischen den zentralen Akteuren, um Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Innovation und Wachstum in Kärnten langfristig gesichert werden können. IV-Kärnten-Präsident Timo Springer verwies in seinem Impuls auf klare Prognosen: Ohne Gegenmaßnahmen droht ein massiver Mangel an Fachkräften. Neben strukturellen Reformen, etwa längeres Arbeiten auch über das Pensionsalter hinaus, sei es entscheidend, junge Menschen in Kärnten zu halten und internationale Talente gezielt für den Standort zu gewinnen. Dafür müsse die Attraktivität des Bundeslandes weiter gesteigert werden.

Professor Rainer Münz vom Complexity Science Hub analysierte in seinem Beitrag die demografischen Ursachen dieser Entwicklung. Kärnten stehe vor einem deutlichen Bevölkerungsrückgang und einer raschen Alterung. Die Zahl junger Menschen sinke, während der Anteil älterer Personen stark steige, wodurch das Arbeitskräftepotenzial langfristig abnehme. Hauptursachen seien mehr Sterbefälle als Geburten, anhaltende Abwanderung sowie eine nur begrenzte Zuwanderung. Zusätzlich verschärften strukturelle Faktoren wie eine schwächere wirtschaftliche Dynamik und eine geringere Standortattraktivität diese Entwicklung. Um gegenzusteuern, brauche es insbesondere Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitskräften, wie eine höhere Erwerbsbeteiligung, längeres Arbeiten sowie eine gezielte qualifizierte Zuwanderung.

Darauf aufbauend zeigte Alexandra Truppe, Geschäftsführerin des Carinthian International Center (CIC), dass Willkommenskultur ein entscheidender Standortfaktor für Kärnten ist. Es reiche nicht aus, internationale Fachkräfte lediglich anzuwerben. Vielmehr müsse der Fokus darauf liegen, sie langfristig in der Region zu halten. „Das CIC verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz vom Ankommen zum Bleiben, der Integration und ein echtes Zugehörigkeitsgefühl umfasst“, so Truppe.

Die von ihr präsentierten Studie, die das CIC gemeinsam mit der FH Kärnten durchgeführt hat, zeigt, dass Kärnten grundsätzlich als lebenswerter Standort wahrgenommen wird. Gleichzeitig besteht insbesondere in der sozialen Integration noch Verbesserungspotenzial. „Viele internationale Fachkräfte empfinden es als schwierig, Freundschaften zu schließen und in die Gesellschaft eingebunden zu werden. Ein großer Teil fühlt sich zwar nicht unwillkommen, aber auch nicht wirklich zugehörig. Genau hier setzt die Strategie an: Aus einer neutralen Haltung soll durch aktive Maßnahmen echte Bindung entstehen“, erklärte Truppe.

Als zentrale Hebel nannte sie bessere sprachliche Zugänglichkeit, stärkere Netzwerke, mehr Begegnungsmöglichkeiten sowie die gezielte Einbindung von Familien. Programme wie das Dual Career Modell zeigen, dass Integration dann besonders erfolgreich ist, wenn auch Partnerinnen und Partner berufliche Perspektiven erhalten. „Recruitment bringt Talente. Willkommenskultur lässt sie bleiben.“

In der anschließenden, von Wolfgang Pucher (IV Kärnten) moderierten Diskussion unterstrichen auch Peter Wedenig (Geschäftsführer AMS Kärnten), Claus Lachmann (HR-Verantwortlicher von Lam Research), Christina Hirschl (Geschäftsführerin Silicon Austria Labs), Alexandra Truppe und Rainer Münz die Dringlichkeit des Themas. Auch Uni-Rektorin Ada Pellert verwies darauf, dass die Herausforderungen nur im gemeinsamen Zusammenspiel aller Akteure bewältigt werden können und es ein eng abgestimmtes Vorgehen zwischen Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft braucht. Gemeinsam wurde auf die sich zuspitzende demografische Entwicklung sowie auf bislang unzureichend genutzte Potenziale hingewiesen, etwa durch verstärkte Qualifizierung, die bessere Einbindung von Frauen oder die gezielte Ansprache internationaler Fachkräfte.

Unternehmen seien gefordert, sich verstärkt als attraktive Arbeitgeber zu positionieren – mit guten Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten und aktiver Unterstützung beim Ankommen vor Ort. Gleichzeitig wurde auf das große Potenzial internationaler Studierender hingewiesen, die bereits im Land sind und vielfach in Kärnten bleiben möchten. Hier brauche es eine stärkere Vernetzung zwischen Hochschulen und Wirtschaft.

Einigkeit herrschte darüber, dass es nicht an einzelnen Maßnahmen mangelt, sondern an deren konsequenter Bündelung. Der Ausbau der MINT-Ausbildung, die Förderung qualifizierter Zuwanderung, bessere Integration sowie Initiativen wie das Carinthian International Center (CIC) und die International School (ISC) in Velden wurden als zentrale Bausteine genannt. Klar ist: Nur durch gemeinsames Handeln kann Kärnten seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.