Mit rund 200 Gästen aus Industrie, Politik, Verwaltung, Bildung und Forschung hat die Industriellenvereinigung Kärnten am Dienstagabend in der Droneberger Eventlocation in Klagenfurt den traditionellen Neujahrsauftakt begangen
Kärntner Industrie fordert beim Neujahrsauftakt Reformtempo: „2026 muss das Jahr der Entscheidungen werden.“

Unter dem Motto „Mut.Wandel.Chancen“ stand der Abend ganz im Zeichen von aktuellen Herausforderungen, Aufbruch, Zusammenhalt und dem gemeinsamen Gestalten des wirtschaftlichen Umfeldes. IV-Kärnten-Geschäftsführerin Claudia Mischensky eröffnete den Abend mit einem klaren Appell: Gerade in Zeiten von Unsicherheit und Veränderung braucht es Mut, um Chancen zu ergreifen und Wandel aktiv zu gestalten.
Industrie sichtbar machen
Im Rahmen des Programms wurde die beeindruckende Vielfalt und Innovationskraft der Industrie sichtbar gemacht, und gezeigt, wie sehr Industrie den Alltag prägt und Fortschritt ermöglicht. „Wir leben in Kärnten einen Geist von Kooperation und Innovation, der auch schwierige Zeiten bewältigt. Und es ist schön, dass wir mit der Industriestrategie jetzt Rückenwind bekommen“, erklärte Landeshauptmannstellvertreterin Gaby Schaunig (SPÖ). „Die Rahmenbedingungen hängen von ganz klaren Faktoren ab. Für einen zukunftsorientieren Standort ist entscheidend, dass wir auch an der infrastrukturellen Standortqualität arbeiten“, sagte Wirtschaftsreferent Sebastian Schuschnig (ÖVP).
Timo Springer, Präsident der IV Kärnten, zeichnete in seiner Rede ein realistisches Bild der wirtschaftlichen Lage zu Beginn des Jahres 2026: hohe Inflation, geringes Vertrauen und wachsende Ungeduld prägen die Stimmung in Wirtschaft und Gesellschaft. 2025 sei politisch „auf Sicht“ regiert worden, ohne große Fehler, aber leider auch ohne große Ideen, was zu Stagnation geführt habe. Österreich befinde sich als Exportnation angesichts globaler Krisen in einer besonders schwierigen Lage. „Die Unternehmen kämpfen mit stark steigenden Lohnkosten, Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und schwachen internationalen Impulsen. Ergebnis ist die längste Rezession der Nachkriegsgeschichte, verbunden mit einer schleichenden Deindustrialisierung und dem Verlust sicher geglaubter Arbeitsplätze“, erklärte Springer.
Besonders alarmierend seien die wirtschaftlichen Kennzahlen: Die Gewinnquote sei von durchschnittlich 27 Prozent auf unter zehn Prozent eingebrochen, die Investitionsquote liege mit unter fünf Prozent auf einem historischen Tief. Damit schwinden die Spielräume für Innovation und Wachstum. Der IV-Präsident warnte davor, dringend notwendige Strukturreformen aufzuschieben. Wer Probleme nur verwalte statt löse, riskiere später radikale und schmerzhafte Maßnahmen. Als Beispiel nennt er Argentinien. Positiv bewertete Springer erste Signale der österreichischen Industriestrategie, insbesondere die Aussicht auf einen Industriestrompreis zumindest ab 2027 sowie die Verlängerung der Strompreiskompensation.
Und er stellte konkrete Forderungen für den Standort Kärnten und Österreich:
- Gezielte Fachkräftezuwanderung
- Flexiblere Arbeitszeitmodelle
- Modernere Pensionsmodelle
- Starke MINT-Ausbildung
- Digitalisierungsoffensive
- Sichere, leistbare Energieversorgung
- Bau der 380-kV-Leitung als zwingende Voraussetzung für Kärnten und als Lückenschluss im gesamtösterreichischen Energienetz
Sein Appell: Es braucht jetzt Mut, klare Prioritäten und Tempo, um Herausforderungen in Chancen zu verwandeln.
Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung, gab in seinem Impuls mit dem Titel „Ein Hauch von Optimismus?“ einen schonungslosen Ausblick auf das Jahr 2026. „Die Talsohle ist erreicht und in der Basis durchschritten, aber es handelt sich nicht um einen Aufschwung wie früher, es ist die schwächste Erholung nach einer Rezession seit dem zweiten Weltkrieg. Wir haben es mit einem strukturellen und nicht mit einem konjunkturellen Problem zu tun“, erklärte Helmenstein. Es sei „eine Stabilisierung mit leicht positiver Tendenz“. Österreich und auch die Industrie würden in Bezug auf Kosten, Energie, Bürokratie und eine schwache Wettbewerbsfähigkeit unter Druck stehen, insbesondere die exportgetriebenen Sektoren. „Die Herausforderungen sind enorm. Wir haben es mit einer ökonomischen Zeitenwende zu tun“, erklärte Helmenstein.



























































