Kärntner Industrie zeigt Resilienz, jetzt braucht es dringend Investitionsimpulse

Die Konjunkturumfrage der IV Kärnten zeigt eine leicht verbesserte Ertragslage, aber weiterhin verhaltene Dynamik. Angesichts hoher Lohnstück- und Energiekosten, wachsender Bürokratie und Österreichs Rückfall im IMD-Ranking fordert die Industrie rasche En
An der Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Kärnten für das 2. Quartal 2026 haben 54 Industrieunternehmen mit insgesamt 17.400 Beschäftigten teilgenommen. Die Ergebnisse zeichnen insgesamt ein stabiles Bild der Kärntner Industrie. 43 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 39 Prozent als durchschnittlich und nur 18 Prozent als schlecht. Im Vergleich zum Vorquartal ist der Anteil positiver Einschätzungen zwar leicht von 47 auf 43 Prozent gesunken, gleichzeitig ging aber auch der Anteil negativer Bewertungen deutlich von 26 auf 18 Prozent zurück.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung der Ertragssituation. Der Anteil der Betriebe, die ihre Ertragslage als gut bewerten, stieg von 5 Prozent im ersten Quartal auf 35 Prozent im zweiten Quartal. Gleichzeitig verringerte sich der Anteil der Unternehmen mit einer schlechten Ertragssituation von 29 auf 19 Prozent. Auch bei den Auslandsaufträgen zeigt sich eine positive Entwicklung: 53 Prozent der Betriebe beurteilen diese als gut.
Der Auftragsbestand bleibt insgesamt stabil. 48 Prozent der Unternehmen bewerten ihn als gut, 36 Prozent als durchschnittlich und 16 Prozent als schlecht. Für die kommenden sechs Monate fallen die Erwartungen allerdings vorsichtiger aus: Nur noch 37 Prozent rechnen mit einer guten Geschäftslage.
Bei den Beschäftigungserwartungen bleibt die Kärntner Industrie weitgehend stabil. 77 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer gleichbleibenden Beschäftigtenzahl, 9 Prozent erwarten einen Personalaufbau und 14 Prozent einen Rückgang. Noch im vierten Quartal 2025 gingen mehr als die Hälfte der Kärntner Industriebetriebe davon aus, Mitarbeiter abbauen zu müssen.
Die Kärntner Industrie präsentiert sich im zweiten Quartal 2026 insgesamt stabil, Verbesserung der Ertragssituation und die positiven Entwicklungen bei den Auslandsaufträgen sprechen für eine leichte Erholung. Gleichzeitig mahnen die vorsichtigeren Erwartungen bei Geschäftslage und Produktion zur Wachsamkeit, da das wirtschaftliche Umfeld weiterhin von Unsicherheiten geprägt ist. Und gerade die Kärntner Industrie steht als exportorientierter Wirtschaftsmotor vor großen Herausforderungen. Steigende Lohnstückkosten, hohe Energiepreise, wachsende Bürokratie und eine zurückhaltende Investitionsbereitschaft setzen den Unternehmen immer stärker zu.
Das Investitionsverhalten in Österreich ist im internationalen Vergleich laut OECD (EIB Investment Survey 2025) zu schwach. „Es wird zu wenig investiert, was die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig schwächt. Um Arbeitsplätze, Innovation und Wertschöpfung in Österreich zu sichern, braucht es rasche Reformen auf Bundes- und EU-Ebene“, sagt Timo Springer, Präsident der IV Kärnten. „Wer Investitionen in Österreich halten und neue Wertschöpfung schaffen will, muss den Faktor Arbeit entlasten, Unternehmen von Bürokratie befreien und Investitionen steuerlich attraktiver machen. Nur mit wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen kann Österreich im internationalen Standortwettbewerb wieder aufholen“, erklärt Springer.
Umso bedenklicher ist, dass Österreich im IMD World Competitiveness Ranking2026 auf Platz 29 zurückgefallen ist (2025 Platz 26 von 69 Volkswirtschaften) und damit weiter an Wettbewerbsfähigkeit verliert. „Das unterstreicht den akuten Handlungsbedarf. Hohe Lohnnebenkosten, überbordende Bürokratie und unzureichende Investitionsanreize gefährden die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes massiv“, so Springer. Zum Vergleich: 2007 war Österreich noch auf Platz 11 im IMD-Ranking, ein Verlust von 18 Plätzen innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten.
„Die nominellen Lohnstückkosten sind in Österreich seit 2017 um 37,3 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als im Euroraum mit 27 Prozent, in Frankreich mit 18,2 Prozent und in der Schweiz mit 6,2 Prozent. „Diese Entwicklung verschärft den Wettbewerbsdruck auf die heimische Industrie und unterstreicht die Notwendigkeit, Arbeit durch eine Senkung der Lohnnebenkosten spürbar zu entlasten“, sagt Springer.
Die Industriellenvereinigung fordert daher fünf konkrete Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes:
- Lohnstückkosten senken: Arbeit muss günstiger werden. Eine deutliche Senkung der Lohnnebenkosten – insbesondere des FLAF-Beitrags – stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und sichert Beschäftigung.
- Energiekosten dämpfen: Wettbewerbsfähige Industriestrompreise sowie niedrigere Netzkosten und Energieabgaben sind unverzichtbar, damit Kärntens Industriebetriebe im internationalen Wettbewerb bestehen können.
- Staat verschlanken und Bürokratie abbauen: Weniger Berichtspflichten, schnellere Verfahren und geringere Standortkosten schaffen Freiräume für Innovation und Investitionen.
- Investitionen steuerlich fördern: Die Befreiung nicht entnommener Gewinne von der Körperschaftsteuer, ein attraktiver Investitionsfreibetrag und eine stärkere degressive Abschreibung setzen wichtige Impulse für Unternehmensinvestitionen.
- Europa wettbewerbsfähiger machen: Weniger Regulierung, ein stärkerer Binnenmarkt und die Umsetzung der Draghi-Agenda sind notwendig, um Europas Industrie wieder an die Weltspitze zu führen.
„Gerade Kärnten lebt von einer starken, innovativen und exportorientierten Industrie. Wenn Unternehmen heute Investitionen verschieben oder ins Ausland verlagern, gefährdet das langfristig Arbeitsplätze und Wertschöpfung in unserem Bundesland. Deshalb braucht es jetzt spürbare Entlastungen bei den Lohnnebenkosten, echte Investitionsanreize und einen konsequenten Bürokratieabbau“, betont Präsident Springer. Und wenn es um das Thema Energie geht, „ist die 380-kV-Leitung ein Schlüsselprojekt für Kärntens Zukunft“. Kärnten ist ein Industrieland und genau darin liegt seine wirtschaftliche Stärke. Gleichzeitig steht die Industrie vor tiefgreifenden Veränderungen. Stabile und leistungsfähige Netze sind entscheidend für moderne Industrieprozesse. Die Netzinfrastruktur ist das Rückgrat der industriellen Transformation. Ohne leistungsfähige Netzinfrastruktur drohen Investitionsrückgänge und Standortverluste – mit ihr hingegen eröffnen sich neue Chancen für Innovation, Wachstum und eine nachhaltige industrielle Zukunft in Kärnten.


