Kärntner Industriekonjunktur: Vorsichtiger Optimismus beim Ausblick, rückläufige Beschäftigtenzahlen und Antworten auf Herausforderungen

58 Unternehmen mit knapp 19.000 Beschäftigten haben an der IV-Kärnten-Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2025 teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass es für die kommenden sechs Monate nur vorsichtigen Optimismus gibt.

 „73 Prozent der Kärntner Industrieunternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage derzeit als durchschnittlich, 21 Prozent als schlecht und nur 6 Prozent als gut. Für die kommenden sechs Monate fällt der Ausblick zumindest etwas positiver aus: 84 Prozent erwarten eine durchschnittliche Entwicklung, 11 Prozent eine gute Geschäftslage und lediglich 5 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung“, erläutert Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Kärnten.

Ertragssituation entspannt sich ein wenig 
Auch die Ertragssituation ist aktuell in den meisten Betrieben angespannt. 52 Prozent der Unternehmen bewerten sie als schlecht, 42 Prozent als durchschnittlich und nur 6 Prozent als gut. In den kommenden sechs Monaten dürfte sich die Lage jedoch ein wenig entspannen. Dann rechnen 37 Prozent mit einer guten Ertragssituation, 59 Prozent mit einer durchschnittlichen und nur noch 4 Prozent mit einer schlechten. Das zeigt: „Trotz der aktuell schwierigen Lage gibt es vorsichtige Erwartungen in Richtung einer leichten Entspannung, wohl auch durch eine mögliche Entlastung bei Kosten und Rahmenbedingungen, welche die gerade präsentierte Industriestrategie bringen soll“, so Mischensky. 

Alarmierend: Beschäftigung bleibt problematisch 
„Was wir aktuell sehen, ist eine klare Fortsetzung der Stagnation mit nur einem Hauch von Optimismus in Bezug auf die Ertragslage in den kommenden sechs Monaten“, sagt Mischensky. Das wirke sich unmittelbar auf Investitionen und Beschäftigung aus. „Es ist alarmierend, dass noch immer mehr als die Hälfte der Kärntner Industriebetriebe in den kommenden drei Monaten mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl rechnen.“ 

Produktion und Preise überwiegend stabil
Die Produktionsplanung zeigt sich hingegen stabil. 77 Prozent erwarten eine gleichbleibende Produktion, 19 Prozent eine sinkende und 4 Prozent eine steigende Entwicklung. Auch bei den Verkaufspreisen überwiegt Stabilität. 83 Prozent rechnen mit gleichbleibenden Preisen, 9 Prozent mit sinkenden und 8 Prozent mit steigenden Preisen. 

Verbesserung der Konjunktur mehrheitlich „nicht absehbar“
Auf die Frage, ab wann die Unternehmen in ihrer jeweiligen Branche mit einer spürbaren Verbesserung der Konjunktur rechnen, erklären 30 Prozent, dass es nicht absehbar sei. Nur zwei Prozent geben an, im ersten Halbjahr 2026 schon mit einer Verbesserung zu rechnen, 14 Prozent im zweiten Halbjahr 2026 und 11 Prozent rechnen überhaupt erst 2027 mit einer spürbaren Verbesserung. 

Rahmenbedingungen entscheidend
„Die österreichische Industrie hat zwar die Talsohle durchschritten, von einem echten Aufschwung wird man in diesem Jahr allerdings nicht sprechen können. Und die Ergebnisse der Umfrage unter den Kärntner Industriebetrieben zeigen deutlich, dass wir uns weiterhin in einem Umfeld befinden, das von Kostendruck geprägt ist. Wir brauchen jetzt vor allem Planbarkeit, weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen, damit Investitionen und Beschäftigung wieder nachhaltig gestärkt werden können“, sagt Timo Springer, Präsident der Industriellenvereinigung Kärnten. Erste Signale in diese Richtung würden im Rahmen der Industriestrategie kommen. „Die Ankündigung eines Industriestrompreises ab 2027 lässt hoffen. Die Verlängerung der Strompreiskompensation ist positiv zu bewerten. Planbare Energiepreise sind eine Grundvoraussetzung, um Investitionen am Standort abzusichern. Und auch das Bekenntnis zu Forschung, Technologie und Innovation ist wichtig“, erklärt Springer.  

Klare Antworten auf große Herausforderungen
In Zeiten multipler Krisen zeige sich, dass es auf jedes Problem eine konkrete Antwort geben müsse. Für jede Blockade brauche es einen Gegenentwurf, der Wachstum ermögliche und den Standort absichere. Die Antwort auf Mercosur und Trumps Zölle sei die Umsetzung des Binnenmarktes Europa, und die Antwort auf Regulierung sei konsequente Deregulierung. „Der Standort leidet unter einer stetig wachsenden Regulierungsdichte, die Innovation hemmt und Investitionen verzögert“, sagt Springer. Auch auf die Inflation gebe es aus seiner Sicht eine konkrete Antwort: keine neuen Steuern und Gebühren, denn jede zusätzliche Belastung treffe am Ende Betriebe und Konsumenten gleichermaßen. Dem Green Deal müsse man mit Technologieoffenheit begegnen. Und bei den Pensionen brauche es einen Automatismus wie in Italien, denn ein zukunftssicheres Pensionssystem erfordere Planbarkeit